Im fränkischen Raum ist er bekannt wie ein bunter Hund. Aber selbst Kenner von David Saam und seinen Formationen "Boxgalopp", oder "Kellerkommando" dürften aufhorchen, wenn sie erfahren, dass er auch bei Opern keine Fehlbesetzung ist.

Der Volxmusiker (mit X), der 2019 mit dem Kulturpreis der Oberfrankenstiftung und dem Dialektpreis Bayern ausgezeichnet wurde, hat den "Opernführer für Einsteiger" von Jasmin Solfaghari ins Fränkische übertragen.

Was ist Mundart für Sie?

David Saam: In dem Wort steckt der englische Begriff "Art". Wenn man den als Kunst übersetzt, ist auch schon was Kreatives, was Künstlerisches mit drin. Und dafür ist Mundart gut, weil sie bilderreicher ist als das Hochdeutsche.

Wo und wie setzen Sie Mundart ein?

Vielfältig. Ich mache viel Musik, wo Mundart eine große Rolle spielt. Mit Mia Pitroff habe ich zum Beispiel das Genre des fränkischen Chansons erfunden. Ich versuche, mit der Mundart auch intellektuell anspruchsvollere Inhalte zu transportieren und ihr das rein Zotige zu nehmen.

Haben Sie schon vor dem Opernführer übersetzt?

Jein. Eine Vorstufe war das Mundart-"Betthupferl", diese Kultsendung auf Bayern 1. Gudrun Schury hatte die Texte geschrieben, wollte sie aber nicht selber einlesen, sondern hat mich vorgeschlagen. Ich habe ihre Vorlagen dialektal überarbeitet: Man überlegt also, wie sag ich das jetzt am besten? Wie klingt es natürlich im Dialekt, ohne dass es übertrieben ist? Wie schaffe ich die Verbindung zwischen der Gegenwart und dem manchmal veralteten Idiom?

Wie sind Sie zu dem Auftrag gekommen?

Über Patricia Albert, die Welterbe-Managerin. Eine Suchmeldung der Autorin, mit der sie befreundet ist, beantwortete sie, indem sie mich empfohlen hat.

Eine gewisse Praxis hatten Sie ja schon . . .

Mit Boxgalopp habe ich eine fränkische Kinderlieder-CD aufgenommen. Als ich 2017 das Kunststipendium der Stadt Bamberg bekam, war das mein Projektvorschlag. Mit dem Studio Franken des BR und weiteren Institutionen haben wir in ganz Franken nach Material gesucht. Es gab über hundert Zuschriften. Die CD heißt "Hobbädihö", das Liederheft dazu kommt diese Woche heraus.

Gab es weitere Erfahrungen, die Ihnen geholfen haben?

Ganz konkret beim Vorlesen für meine Tochter. Ich wollte in der Erziehung bewusst auch die Mundart einbringen, habe ihr zum Beispiel "Äs Winnie Bärla Puh" vorgelesen und dann angefangen, die "Sams"-Bücher von Paul Maar quasi simultan ins Fränkische zu übersetzen. Man muss beim Lesen dann mit den Augen immer ein bisschen vorwandern, um schnell den richtigen Ausdruck zu finden.

Und Ihre Opernkenntnisse? Wie gut kannten Sie Mozarts "Hochzeit des Figaro", Webers "Freischütz" und Wagners "Ring"?

Während meines Studiums hatte ich historische Musikwissenschaft im Nebenfach und bin um die Oper nicht ganz rumgekommen. Aber ich bin kein ausgewiesener Experte und habe Wagner noch nie live, sondern nur im Fernsehen gesehen.

Gab es Vorgaben von der Autorin?

Nein, sie hat mir sehr viel Freiheit gelassen und hat nicht auf bestimmten Formulierungen bestanden. Ich konnte auch mal einen Absatz sinngemäß umformen, habe also nicht Satz für Satz gearbeitet, sondern in größerem Zusammenhang.

Und wie gehen Sie mit Fremdwörtern um, die es in der Mundart originär nicht gibt?

Wenn man es "fränggisch" ausspricht und die Schreibweise so verändert, dass man vielleicht nicht sofort erkennt, was das für ein Anglizismus ist, ergibt sich daraus ein gewisser Witz. Auch so kann etwas Neues entstehen. Ich finde es wichtig, dass sich der Dialekt verändern und weiter entwickeln darf. Sonst wird er eines Tages aussterben.

Dass es im Fränkischen kein hartes P gibt, ist bekannt. Sie gehen in der Weichzeichnung noch viel weiter.

Es gibt Fälle, wo man genau überlegen muss, wie man das mit den harten Konsonanten macht - das "Enggerla" zum Beispiel, wo ich es mit einem Doppel-G versucht habe. Da stolpert man erstmal und kapiert vielleicht erst beim zweiten Lesen, dass das kein kleiner Engel sein kann, sondern das harte G gemeint ist!

Auch das Plusquamperfekt hat es in sich, wie ein Satz aus der ersten "Rheingold"-Szene zeigt: "Dodäbei homm die drei Madla na vorher nuch an glann Flördd in Aussichd gschdelld ghoddn ghobbd."

Man muss aber aufpassen, dass man nicht über die Stränge schlägt. Es sollte niemals künstlich oder zu konstruiert wirken!

Ihr Lieblingsstück in Wagners "Ring"?

Der Walkürenritt, denn mein Posaunist bei "Kellerkommando" spielt ihn immer beim Soundcheck.

Und das Fazit im "Ring"?

"Zuvill Machd bläsdn Kubbf auf und versaud"n Charaggdä."

Das Gespräch führte Monika Beer.

Buch Der "Opernführer für Einsteiger" Schott Musik Verlag, 160 Seiten, 16,99 Euro

Lesung Die Autorin Jasmin Solfaghari stellt das Buch am 8. Februar 2020 um 17 Uhr in der Städtischen Musikschule Bamberg vor.

Musik Die CD "Hobbädihö" von Boxgalopp und das Liederhefdla kann man im Internet auf der Seite antistadl.de bestellen.