Man könnte zum Esoteriker werden angesichts der Koinzidenz der Ereignisse: Gut eine Woche vor der Premiere des eigens fürs Studio des E.T.A.-Hoffmann-Theaters verfassten Drogendramas (nicht nur) für Jugendliche wird ein prominenter Politiker mit einer kleinen Dosis Rauschgift erwischt: vermutlich Crystal Meth.

Dieses Methamphetamin, im reinen Zustand kristallklar und deswegen auch Ice oder eben Eis genannt, ist gerade in Oberfranken eine verbreitete Droge. Grund ist die geografische Nähe zu Tschechien, wo der Stoff in Untergrundlabors aus leicht zu beschaffenden Zutaten zusammengebraut wird. Das wissen Dramaturgin Judith Zeitner und Regisseurin Petra Wüllenweber, die das Stück "Auf Eis" auch geschrieben hat, als Auftragsarbeit.

Beide haben ausgiebig recherchiert, zum Beispiel beim Bayreuther Psychotherapeuten Roland Härtel-Petri. Der ehemalige Leitende Oberarzt der Abteilung für Klinische Suchtmedizin des Bezirkskrankenhauses Bayreuth ist Koautor eines Standardwerks über Crystal Meth und erfahren in der Therapie Suchtkranker. Nicht nur für ihn ist Crystal eine der gefährlichsten Drogen überhaupt.

Warum? Das Aufputschmittel ist billig, überall zu haben, auch auf Schulhöfen, und es macht schnell süchtig. Wirkungen sind die Freisetzung von Noradrenalin und Dopamin im Gehirn. Der Konsument - die Droge wird meist geschnupft, aber auch geraucht und gegessen - wird euphorisch, selbstbewusst, überwindet Müdigkeit, erträgt monotone Arbeit und Überlastung. Folgen sind körperliche ("Crystal-Gesicht") und psychische Schäden.

Eine Funktionsdroge, weiß Wüllenweber, die in diese Gesellschaft passt und der jeder Glamour-Faktor abgeht, konsumiert von der allein erziehenden Mutter, dem Fließbandarbeiter bis zum Manager. Oder eben Politiker. Wie nun hat die erfahrene Autorin/Regisseurin, die zur Burnout-Problematik ein Stück verfasst hat und zuletzt Camus' "Caligula" in Fürth inszenierte, das Thema umgesetzt? In "Auf Eis" beobachtet sie vier Jugendliche im Alltag und beim heute sog. Feiern. Zwei des Quartetts konsumieren Crystal und beginnen eine Suchtkarriere. Ihr Verhalten verändert sich. Wird es ihnen gelingen, von der Droge wegzukommen?

Die Inszenierung (für Zuschauer etwa ab zwölf) wird flankiert von einem Rahmenprogramm. Die Ausstattung stammt von Peter Engel, es gibt viel Musik, live und eingespielt. Es spielen Anna Döing, Benedikt Flörsch, Marie Nest und Alexander Tröger. Übrigens haben die jungen Schauspieler nicht konsumiert, um delirierende ("Laber-Flash") Crystal-User darstellen zu können ...

Termine und Karten

Uraufführung
Fr., 11. März, 20 Uhr, Studio des E.T.A.-Hoffmann-Theaters
Weitere Termine
14.-17., 20., 22.-24. März,5., 9., 10. April
Karten
Tel. 0951/873030, kasse@theater.bamberg.de
Rahmenprogramm
Mo., 21. März, 15 Uhr, Ferienworkshop, Anmeldung unter theaterpaedagogik@stadt-bamberg.de. Fr., 1. April, 19 Uhr, Gewölbe, E.T.A.-Salon, Autorenlesung mit dem Ex-Konsumenten Dominik Forster. Sa., 9. April, ca. 20.30 Uhr, Studio, Publikumsgespräch zum Thema Crystal Meth