Von Cortez und Pizarro hat jeder gehört oder gelesen, aber Ambrosius Dalfinger oder Nicolaus Federmann? Auch aus Deutschland kamen Konquistadoren in die Neue Welt, und sie wüteten nicht weniger brutal als ihre spanischen Kollegen. Der junge Münchner Autor Tobias Ginsburg hat fürs Theater Augsburg über die Expeditionen ins heutige Venezuela sein Stück "Goldland" verfasst. Untertitel: "Von Augsburg nach Eldorado". Nicht von ungefähr, denn die Augsburger Welser finanzierten die Expeditionen von 1528 bis 1546. Konquistadoren waren eben keine Abenteurer, sondern Subunternehmer der Kaufleute. Kühles Fazit der Frühkapitalisten: gescheitertes Unternehmen, Händewaschen in Unschuld.

Ein beklemmendes Stück Geschichte. Das Schauspieler-Team deklamiert - mit überraschend unprofessionellen Hängern - oft paarweise oder agiert in Fantasiekostümen mitten im Publikum, Werner Herzog ("Aguirre", "Fitzcarraldo") spricht qua eingespielter Tonkonserve über den Dschungel und Gold, Gold, Gold rieselt über die Bühne.

Die Schauspieler rennen und rutschen über die abstrahierte schiefe Bühne, in deren Mitte ein Obelisk gepflanzt ist (Jonas von Ostrowski) - das erklärungsbedürftigste Detail dieser Inszenierung. Dennoch: Obwohl die Dramatisierung des Stoffs nicht überzeugend gelungen ist, bleibt doch ein Lehrstück mit durchaus plausiblen Verweisen auf die Jetztzeit.