Eine Warnung vorweg: Wer vorhat, sich E.T.A. Hoffmanns "Elixiere des Teufels" in der Fassung Hannes Weilers anzutun, sollte sich mit der Romanvorlage vertraut machen. Sehr vertraut. Denn ist dem Leser dieses Stücks schwarzer Romantik von 1815/16 schon nach spätestens 150 Seiten blümerant zumute, wird der unbedarfte Zuschauer das Studio des E.T.A.-Hoffmann-Theaters mindestens so verwirrt verlassen, wie sich der Protagonist, der entlaufene Mönch Medardus, knapp eineinhalb Stunden lang gezeigt hat.
Die literarische Vorlage ist kein Höhepunkt im Schaffen des romantischen Genies. Stark beeinflusst von Matthew Gregory Lewis' "The Monk" von 1795, mixte er Motive von Schauer- und anderer Romantik wüst durcheinander und gebar dabei so etwas wie eine Urform des psychologischen Romans mit einer Art Phänomenologie der Schizophrenie oder einer Identitätsstörung. Die unendlichen Verwicklungen, in die Medardus (Stefan Hartmann) im Laufe der Handlung gerät, der geschürzte genealogische Knoten, der sich erst am Ende auflöst - das alles überfordert bereits den Leser.
Wie also in einer dramatisierten Version damit umgehen? Man hätte die schauerromantischen Elemente durchgehend ironisieren können. Man hätte auf puren Klamauk setzen können. Man hätte den tiefenpsychologischen Subtext im Doppelgänger-Motiv herausarbeiten können. Regisseur Weiler und sein Dramaturg Olivier Garofalo wollen von allem ein bisschen und erreichen am Ende wenig. Vielleicht ist dieser heute kaum mehr lesbare Brocken auch zu schwer für eine Studiobühne. Komisch soll wohl das Herausschreien der sündhaften Verbindungen zwischen diversen Francescos, Euphemiens, Aureliens, Viktorins und so weiter und so weiter sein. Es ist nur ermüdend. Hantieren mit Kreuz und Weihrauchkessel als Katholizismus-Karikatur kommt in Bamberg immer gut; Kostüm-Zitate (Ausstattung Lena Hiebel) und das Changieren zwischen diversen Rollen degradieren die Figuren jedoch zu Faschingslarven.
Zwar hält sich Weiler grob ans Handlungsgerüst des Romans - Kloster, Schloss "mit lila Kabinett", Forsthaus, Residenz als Stationen von Medardus' Reise ins eigene Innere -, zwar führen wacklige Videoeinspielungen den Mönch open air vor (wozu eigentlich?), doch bleibt die Inszenierung fragmentarisch wie die berühmten Makulaturblätter E.T.A. Hoffmanns. Schnell geht alles, sehr schnell vor und hinter dem mit Manuskript-Marginalien beschrifteten Vorhang. Was da im Verborgenen sich abspielt, projiziert eine Kamera auf eine Bretterwand, und ein hundehüttenähnlicher Verschlag komplettiert das Bühnenbild.
Wenn überhaupt etwas bewundernswert ist an dieser zwischen postdramatischer Psycho-Groteske und Schülersketch hängengebliebenen Inszenierung, dann sind es die Schauspieler (neben Hartmann Pina Kühr, Alexander Tröger, Marie Nest und Benedikt Flörsch in diversen Rollen), die schwierige Texte stakkatoartig deklamieren müssen, wenn auch Medardus' Geschrei à la longue enerviert. Stark kontrastiert der Sprachduktus von vor 200 Jahren und der heutige: "Okay!" Musik mal von Henry Purcell, mal von Motörhead gehört irgendwie auch dazu. Der durch Mord und finstere fleischliche Begierden schuldig gewordene Mönch bleibt in Bamberg trotz der Nähe zum alten Kapuzinerkloster unerlöst, anders als der Zuschauer, der 20 Minuten vor dem im Programmheft angekündigten Ende gehen darf. Ach ja, die "Elixiere" sind Bamberger Bier.

Weitere Vorstellungen 26.-28., 31. 1., 4., 13./14., 17./18. 2. Karten Tel. 0951/873030, E-Mail kasse@theater.bamberg.de