Bei Metallica stand Wolfgang Thiel (32) auf dem Turm. Menschen gucken. Ströme beobachten. Die Rock-im-Park-Massen lenken. Thiel ist das Gehirn des Parks. Ein Rock-Gehirn oben auf dem Turm. Damit die 76.000 unten nicht viel denken müssen. Normalerweise beginnt jetzt die heiße Phase. Metallica spielen ihre Zugabe. One. Laser, Rauch, Feuerwerk. Die ersten Zuschauer bewegen sich in Richtung Ausgang. Die meisten bleiben. Metallica haben längst aufgehört, stehen aber noch auf der Bühne, feiern. Zehn Minuten, 15, dann bewegen sich die Menschen zu den Ausgängen. Alles läuft zügig, Leinwände zeigen an, wo kein Stau ist. Thiel und seine Kollegen lenken die Massen. Es funktioniert.

Noch nie waren so viele Menschen bei Rock im Park. 76.000 sagen die Veranstalter. "Trotzdem ist es eine Art Familientreffen", sagt Wolfgang Thiel. Weil die Massen nicht stören. Die Centerstage haben sie vergrößert. Vor der Alternastage ist jetzt doppelt so viel Platz. Und die Parkplätze reichen, weil sie die Besucher führten. Mit Leinwänden, mit LEDs, mit viel Reden. Am Sonntagnachmittag sagen Polizei und Rettungsdienst, die Einsätze seien leicht gestiegen. Lothar Galler, der Einsatzleiter der Polizei, sagt aber auch: "Es war ein ruhiges und friedliches Festival." Sieben Diebstähle mehr als im Vorjahr. 2739 Helfereinsätze. Zwei Rocker wären fast erstickt, weil sie ihren Grill zum Heizen ins Zelt stellten. Die Zusammenarbeit funktioniert auch bei 25.000 Besuchern mehr.


Der Fanclub von Rock im Park



Wer die Entwicklung von Rock im Park verfolgen will, fragt am besten Holger Strichau. Am Freitag hat er keine Zeit. Metallica. Aber am Samstag. Nachmittags, abends spielen die Hosen. Eigentlich ist der 44-Jährige Informatiker, aber nicht an diesem Wochenende. Strichau gehört zu den Parkrockern. Rockfans, die sich zusammengeschlossen haben, ein Forum betreiben, sich austauschen über den Park, die Bands, das Festival. 10.000 sind angemeldet, ein paar hundert kommentieren. Der Veranstalter Argo liest mit. Strichau sagt: "Wir sind so etwas wie der Fanclub von Rock im Park." Aber sie kritisieren auch. Zum Beispiel letztes Jahr: Coldplay, Kings of Leon, Söhne Mannheims. Zu lahm, schrieben sie im Forum. Heuer rockt der Park wieder richtig: Metallica, Die Toten Hosen, Linkin Park.

Strichau kommt seit 15 Jahren zum Park, ist seit zehn Jahren Parkrocker. Damals kostete das Ticket um die 150 Mark. 40.000 kamen, viele Headliner kamen nicht, spielten nur bei Rock am Ring. Zum Beispiel Guns n' Roses, sagt Holger Strichau. Die sparten sich den Weg nach Nürnberg. "Der Park war halt die sehr sehr kleine Schwester." Im Forum haben sie geschimpft, vielleicht hat auch das geholfen. Mittlerweile kommen sie alle. Der Park ist gewachsen, eine Stadt geworden. "Mit Essen, Scheißen, Alles", sagt Strichau.

Auch das regelt Wolfgang Thiel. Dort wo die Häuschen voll sind, schickte er die Klomänner. Ausleeren. Zwei Mal am Tag. Mindestens. Zum Beispiel am Zeltplatz A. Karl, der Flosch und der Rockgott campen dort. Direkt am Dutzendteich, auf einem schmalen Rasenstreifen zwischen See und Parkplatz. Karl (30) und der Flosch (34) kommen aus Kolbermoor. Der Flosch hat den Rockgott gebaut. Dreieinhalb Meter hoch, Styropor und Epoxidharz. Die Augen sind Tischtennisbälle, die im Dunkeln leuchten, außerdem kann der Rockgott aus dem Mund rauchen. Der Flosch heißt eigentlich Florian Schulz, ist Tätowierer und betreibt eine Kulturkneipe. Aber die hat jetzt zu. Wirt, Gäste und Boxen sind im Park. Feiern. Rocken. Pfannkuchen machen aus 30 Liter Teig. Karl grinst. "Weil wir halt die besten sind." Für Karl und Flosch ist der Park etwas besonderes. Da kann man nicht nur so kommen. Deshalb die über 160 Watt im Bus. Deshalb die Pfannkuchen für über 40 Mann. Deshalb die 40 Stunden Arbeit für den Rockgott.