Es ging alles wie geschmiert. Denn das Bamberger Literaturfestival (Bamlit) erlebt dieser Tage bereits seine dritte Auflage und steuert hoffnungsfroh auf die vierte zu. Das jedenfalls verlautbarte der eine oder andere Redner während der professionell aufgezogenen Eröffnungsveranstaltung am Donnerstagabend im Hallstadter Kulturboden.
Eine eigene Firma heißt so, ist aber mit dem Veranstaltungsservice Bamberg (VSB) assoziiert. Also eine Art Heimspiel bzw. Heimstätte für Wolfgang Heyder, dessen VSB als eine der drei Säulen das Festival trägt. Die anderen beiden sind das Stadtmarketing Bamberg und die Bamberger Buchhandlung Osiander, früher Hübscher. Als Veranstalter und Auftraggeber fungiert der Landkreis Bamberg, Schirmherren bzw. -damen sind die literarischen Lokalmatadoren Nevfel Cumart und Tanja Kinkel, "Erfinder" und Ideengeber war und ist Paul Maar.
Naturgemäß alle waren gekommen, Kommunalpolitiker, Sponsoren, das eben genannte Triumvirat, das eine eigens gegründete Unternehmergesellschaft vertritt. Denn vor der Kunst - die Autoren ausgewählt hatte der ebenfalls anwesende Kurator Thomas Kraft - liegt die Ökonomie. Diese wirtschaftliche Basis zergliederte Wolfgang Heyder: Bei einem Gesamtetat von rund 150 000 Euro entfallen 65 000 Euro Einnahmen auf Kartenverkauf. Der Rest wird durch kommunale Förderung und Sponsoren aufgebracht. Drei neue, so Heyder, spendeten 30 000 Euro; Ziel sei jedoch, auf öffentliche Gelder ganz zu verzichten.
Ein wesentliches Motiv des Bamberger Literaturfestivals und letzten Endes auch Hauptgrund fürs kommunale Engagement ist die Leseförderung. Einmal für Erwachsene - 10 000 Besucher meldete Landrat Johann Kalb als Erfolg des Vorjahrs -, zum anderen für kleine Leser. Domkapitular Heinrich Hohl, für den Bamberger St.-Michaels-Bund zuständig, die Bibliotheksorganisation der katholischen Kirche, nannte 7,5 Millionen Deutsche funktionale Analphabeten, Menschen also, die vor allem komplexere Texte kaum lesen können. Es gelte also, diesen Missstand gleich in der Kindheit anzugehen. Das will Melanie Dirauf tun, Leiterin der Diözesanstelle des Michaelsbunds, mit 43 kostenlosen eigens für Kinder konzipierten Lesungen, in Stadt und Land verteilt. Verteilt wie das "dichteste Büchereinetz in ganz Bayern", so Dirauf. Eingebettet in die Eröffnungsveranstaltung war auch eine symbolische Scheckübergabe. Walter Schweinsberg, Geschäftsführer der Mediengruppe Oberfranken (MGO), übergab der Initiative "integra Mensch", die sich zum Ziel gesetzt hat, Menschen mit Handicap Arbeit in normalen Betrieben zu verschaffen, 3000 Euro, die vom MGO-Hilfsverein "Franken helfen Franken" stammen.


Starautor und Pferdemediator

Bei alldem kam das eigentliche Anliegen des 3. Bamberger Literaturfestivals, das Künstlerische, nicht zu kurz. Breit gestreut hat der Kurator wieder literarisches Niveau und Anspruch der Gäste. Ein renommierter Gegenwartsautor wie Uwe Timm ist dabei, aus dessen "Ikarien" Kraft selbst las, Navid Kermani, dessen literarische Reportage über das Vielvölkergemisch hinter dem Kölner Hauptbahnhof Nevfel Cumart vorstellte, Populäreres wie Zsuzsa Bank oder die Hamburger Krimiautorin Simone Buchholz, die in einem Einspieler ankündigte: "Ich bringe das Meer mit." Filmische Grüße kamen auch