Kevin Höllring war noch nicht mal im Kindergarten, da konnte er schon rechnen. Für seine Mutter, meint er, war das ein leicht verstörendes Erlebnis. Sie erzählt die Episode heute noch gern: Ihr Kleiner saß am Küchentisch und betrachtete einen Katalog mit Einbauküchen. Nach einer Weile sagte er zu seiner Mutter, dass diese Variante billiger sei als jene. Die Mutter dachte erst, jaja, was das Kind so redet. Aber dann rechnete sie nach - und stellte fest, dass ihr Sohn Recht hatte.

Kevin und die Mathematik: Sie sind seit der Begebenheit in der Höllring'schen Küche vor 16 Jahren ganz dicke Freunde. "Ich hab einfach schon immer gern Mathe gemacht", sagt der heute 18-Jährige. In der Schule hatte er allerdings in allen Fächern beste Noten und legte auch sein Abi mit 1,0 hin. Seine spezielle Begabung für Mathematik erkannte in der achten Klasse eine Vertretungslehrerin und schlug den 13-Jährigen für die Spitzenförderung Mathe Bayern vor.

Einen Preis nach dem anderen gewonnen

"Danach ging es Schlag auf Schlag", erinnert sich Höllring. Es folgten: Preise bei bayerischen Landes- sowie bei Bundeswettbewerben in Mathe und schließlich die Auswahl für die internationale Mathematik-Olympiade. 2011 wurde Höllring Bundessieger bei der mitteleuropäischen Mathe-Olympiade, 2012 holte er bei der deutschen Mathe-Olympiade die Goldmedaille und bei der internationalen Mathe-Meisterschaft in Argentinien Silber als bester im deutschen Team.

Auch bei "Jugend forscht" ist er ein alter Bekannter und bekam beim Bundeswettbewerb bereits einen Sonderpreis für originelle Informatik. Beim Landeswettbewerb Bayern wurde er gerade Sieger im Fachbereich Mathematik/Informatik mit seinem Projekt über die Sicherung von Daten mittels Delokalisierung in Rechnernetzen.
Mathe, Mathe, Mathe: Wird ihm nie langweilig damit? Welche Frage: "Mathe ist toll!", sagt Höllring und lacht. "Es ist so absolut logisch. Man kann sich ohne Gerätschaften Gedanken machen und hat irgendwann eine Lösung. Oft mit verblüffenden Ergebnissen. Das habe ich sonst in der Schulzeit so nicht erfahren", blickt Höllring zurück.

Die Erwachsenen sind in der Pflicht

Apropos Schule: Dass Mathe als Fach bei Kindern oft nicht so beliebt ist, liegt für den Mathe-Wunderknaben an den Erwachsenen. "Mathe ist für Kinder höchstens so interessant, wie man es ihnen vorlebt", sagt er und bedauert die fehlende Offenheit gegenüber der Mathematik. Deshalb betont er noch einmal: "Mathe macht Spaß. Aber man muss sich darauf einlassen, sonst kriegt man gar nicht mit, welche Möglichkeiten Mathe bietet."
Höllring hat nach dem Abitur natürlich ein Studium begonnen: Mathe und Physik an der Uni Erlangen-Nürnberg, gerade ist er im zweiten Semester. Ob er mal ins Lehramt will oder wohin ihn die Fächer sonst führen könnten, weiß er heute noch nicht so genau. Physik hat er auf jeden Fall dazu gewählt, weil ihm die Mathematik allein zu theoretisch wäre. "Physik dagegen bietet die Möglichkeit, Mathe praktisch zu nutzen und anzuwenden", sagt Höllring. Seine praktische Seite kann er auch in der Nachwuchsförderung ausspielen: Neben seinem Studium engagiert er sich bei Jugend trainiert für Mathematik als Jahrgangsstufenleiter.

Und wie stellt man sich ein solches Zahlengenie nun im Alltag vor? Murmelt er dauernd Zahlen vor sich hin, sitzt er vergeistigt im Hörsaal? Höllring lacht bei dieser Frage. "Mir fallen schon Sachen auf, die anderen Leuten nicht auffallen. Aber ich laufe nicht durch die Gegend und suche Muster oder so."