"Ich war damals", beschreibt Richard Wagner in der Autobiographischen Skizze seine ersten Lese-Erfahrungen mit E.T.A. Hoffmann, "in meinem sechzehnten Jahre, und zumal durch die Lektüre Hoffmann's zum tollsten Mystizismus aufgeregt: am Tage, im Halbschlafe hatte ich Visionen, in denen mir Grundton, Terz und Quinte leibhaft erschienen und mir ihre wichtige Bedeutung offenbarten: was ich aufschrieb, starrte von Unsinn." Woraufhin er endlich nicht mehr heimlich Musikunterricht nehmen musste. "Der arme Mann hatte große Noth mit mir: er musste mir erklären, dass, was ich für seltsame Gestalten und Gewalten hielt, Intervalle und Accorde seien."

Der erklärte "Lieblingsschriftsteller" des jungen Richard Wagner wurde heute vor 237 Jahren als Ernst Theodor Wilhelm Hoffmann in Königsberg geboren. Er war ein Universalkünstler - Dichter, Schriftsteller, Journalist, Zeichner, Maler, Karikaturist, Musiker, Kapellmeister, Komponist und studierter Jurist, der es im Brotberuf zum Kammergerichtsrat brachte. Mit dreizehn fing er zu komponieren an, wenig später begann er, literarische Texte zu schreiben und während seiner ersten Berufsjahre als Jurist ersetzte er aus seiner Mozart-Verehrung heraus seinen dritten Vornamen Wilhelm mit Amadeus.

Seine erste hauptberufliche Anstellung als Kapellmeister führte ihn 1808 nach Bamberg, wo er bis April 1813 blieb - seine "Lehr- und Marterjahre" nannte er diesen Zeitabschnitt später, in dem er immerhin mehrere Melodramen, Musikstücke und Opern sowie seine erste Erzählung "Ritter Gluck" veröffentlichte, der unter anderem "Des Kapellmeisters Johannes Kreislers musikalische Leiden", sein "Don Juan" und die "Nachricht von den neuesten Schicksalen des Hundes Berganza" folgten.

Weitere Wanderjahre waren ihm als Musikdirektor einer Leipziger Opertruppe beschieden. In Leipzig "schlampampte" er nach seinen Auftritten regelmäßig durch die Lokalitäten, traf Künstler, Schauspieler und bekannte Leipziger, darunter den Vater Richard Wagners und dessen Onkel Adolph. Das Märchen vom "Goldenen Topf" und die dort begonnenen "Elixiere des Teufels" begründeten seinen literarischen Ruhm. Davon leben konnte er allerdings mehr schlecht als recht. Deshalb kehrte er zurück in den Justizdienst, der ihm ab 1816 ein sicheres Jahresgehalt brachte. Er sollte nicht mehr allzu viel davon haben. Am 25. Juni 1822 starb er im Alter von nur 46 Jahren an den Folgen einer Syphilis in Berlin.

Der Einfluss E.T.A. Hoffmanns auf Wagner ist unbestritten. Er beschränkt sich nicht nur auf die rein stofflichen Anregungen, wie sie sich beispielsweise im Prosaentwurf zu der Oper "Die Bergwerke zu Falun" niederschlagen. Das zeigt Anne Katrin Kaiser in der 2009 erschienenen Untersuchung "Die Kunstästhetik Richard Wagners in der Tradition E.T.A. Hoffmanns" detailliert auf. Wer mehr darüber erfahren will, was E.T.A. Hoffmann für Wagner bedeutete, sei auf die Vortragsreihe "Stichwort Wagner" von 25. bis 27. Oktober in Bamberg verwiesen, die der Richard-Wagner-Verband Bamberg ausrichtet.

Die lebenslange Beschäftigung Wagners mit Hoffmann dokumentiert auch Cosima immer wieder in ihren Tagebüchern. In den letzten einschlägigen Einträgen schreibt sie am 22. Juli 1882, dem Tag der ersten Hauptprobe zur "Parsifal"-Uraufführung: "R. hat geschlafen, aber viel gesprochen im Schlaf. - Er zitiert zu mir öfters einen Scherz von Hoffmann von dem Wahnwitzigen, welcher ganz sanft als Mond aufging, wenn er aber als Sonne aufgehen wollte, heftig toll wurde." Und am 23. Juli 1882: "R. sehr sehr müde, schläft unruhig, hat nur in der Frühe seine Freude an dem Ruf der Hähne. Wir frühstücken zusammen bei hübschem Wetter im Türmchen. Er bleib dann auch im Pavillon und speist für sich dort, sich immer mit E.T.A. Hoffmann unterhaltend." Seine letzte, mit viel Vergnügen aufgenommene Hoffmann-Lektüre war "Das Fräulein von Scuderi".

Was sonst noch geschah am 24. Januar? Drei Wochen vor Wagner starb 1883 Friedrich von Flotow, der als der bedeutendste Komponist Mecklenburg-Vorpommerns gilt. Und 1918 wurde Gottfried von Einem geboren, der, bevor er sich als Komponist einen Namen machte, unter anderem als Korrepetitor in Bayreuth wirkte, sich in Wagner-Enkelin Friedelind verliebte und ihr wertvolle Juwelen zur Aufbewahrung anvertraute, was sich später zu einer Schmuckaffäre auswuchs, wie sie auch E.T.A. Hoffmann kaum besser hätte erfinden können.

Mehr Informationen zu "Stichwort Wagner" finden Sie auf der Homepage des Richard-Wagner-Verbands Bamberg: http://www.rwv-bamberg.de/