Zuerst eine Klarstellung: Natürlich war der neunte Geburtstag von World of Warcraft schon im November, denn in den USA erschien das Spiel seinerzeit schon 2004. Aber für uns Europäer ist der 11. Februar der Stichtag, an dem die Monsterhatz in der Blizzardschen Onlinewelt losging. Der neunte Geburtstag ist also eine inoffizielle Sache, zugegeben.

Zwar auch noch kein runder Geburtstag, aber in der schnelllebigen Welt der Spiele ein beachtliches Alter. Es gibt Onlinespiele, die älter sind als WOW, doch zu solch einer Popularität hat es wohl nur Blizzards MMORPG (Massively Multiplayer Online Role-Playing Game) gebracht.

Die Anfänge im Februar 2005 waren etwas chaotisch, niemand kannte sich aus, die Server stürzten oft ab, das Spiel war von Bugs und Fehlern durchzogen. Alles in allem eine holprige Erfahrung. Doch das konnte Millionen von Spielern nicht abhalten, sich für die Fantasywelt Azeroth zu begeistern und sie durchqueren zu wollen. Den Boden hatten die drei Teile des Strategiespiels "Warcraft" bereitet, die vielen Spielern Lust auf mehr gemacht hatten; den Drang, selbst einmal Teil dieser Welt zu sein, die comichaft überzeichnet, aber eben anziehend lebendig war.

Die Geschichten um Orks, Elfen und dämonische sowie untote Bösewichte fesselten bald mehrere Millionen Menschen vor den Bildschirm. Das Konzept von "World of Warcraft" war nicht neu, MMORPG-Titel hatte es schon vorher gegeben, doch das Prinzip "Easy to learn, hard to master" und der simple Sammeldrang, immer bessere, magische Rüstungen zu bekommen, schufen einen Mix, der Erfolg und hohe Nutzerzahlen brachte.
Fernsehwerbungen wurden geschaltet, in denen Schauspieler wie William Shatner oder Mr. T für das Spiel warben, beim Verkauf der ersten Erweiterung "The Burning Crusade" gingen im Rahmen von Mitternachtsverkäufen Scheiben in Elektronikmärkten zu Bruch, so groß war der Andrang.

World of Warcraft war süße drei Jahre alt und noch auf dem Weg nach oben, als ich selbst meinen Weg nach Azeroth fand, erst widerwillig, dann begeistert. Was mich so anzog? Eine offene Spielwelt, in der es viel zu entdecken gab und der angesprochene Sammeltrieb, den das Spiel meisterhaft bediente. Und natürlich der soziale Aspekt von "World of Warcraft": Mit Anderen gemeinsam Herausforderungen zu bestehen, nur möglich durch gutes Zusammenspiel und Kommunikation, war ein ganz eigener Reiz. Umso schöner, wenn die Kontakte im Spiel fast deckungsgleich mit dem Freundeskreis im "echten Leben" waren.

Der Aufstieg des Online-Spiels zum Massenphänomen schien unaufhaltsam, die Abonenntenzahlen wuchsen und wuchsen, auf dem Höhepunkt gab es zwölf Millionen zahlende Kunden. Doch seit einigen Jahren schrumpfen die Zahlen wieder, große Werbekampagnen sind kaum mehr zu sehen. World of Warcraft also am Ende? Kaum, loggt man sich ein, herrscht wie eh und je Betriebsamkeit, von den weltweit über vier Millionen Abonnenten weniger als zu Hochzeiten merkt man nicht viel.

Die Entwickler von Blizzard sind bemüht, das angestaubte Spielprinzip immer wieder aufzubügeln, den Spielern neue Möglichkeiten zum Zeitvertreib an die Hand zu geben, vom Pokemon-artigen Haustierkampf über Minigames (a la "Plants vs. Zombies") bis hin zum sogenannten Housing (das Ausbauen und Verwalten einer eigenen Behausung), das mit der nächsten Erweiterung implementiert werden soll.

Der Lack ist dennoch etwas ab: Trotz Frischzellenkur und einigem an Beschleunigung, - sowohl was den Fortschritt der Spieler als auch die Frequenz von Patches und Erweiterungen angeht - merkt man schlicht und einfach das Alter, das dem Spiel auf den Schultern lastet. Irgendwie hat man alles schon einmal gesehen, alles schon mehrfach durchlebt.

Meine Faszination, die sich anfangs in Spielzeiten ausdrückte, die so manchem Warner vor Onlinesucht und Realitätsverlust den Angstschweiß auf die Stirn getrieben hätten, hat stark abgenommen. Daran mache ich ganz subjektiv die abnehmende Kraft von "World of Warcraft" fest, Spieler an sich zu binden.

Wie lang Spieler noch durch Azeroth ziehen werden, ist ungewiss, noch 2014 soll eine neue Erweiterung kommen, "Warlords of Draenor", es ist die fünfte. Ob es eine sechste geben wird, ist ungewiss, ich würde aber meine Hand nicht dafür ins Feuer legen, dass "Warlords of Draenor" das letzte Kapitel in der Geschichte von "World of Warcraft" schreibt.