Der kleine Lupo fällt auf zwischen den neuen BMWs auf dem Parkplatz. Das Kennzeichen verrät seinen Besitzer aber schnell: FO - H...das muss der Hardy sein aus der Fränkischen, der Zeugwart der SpVgg Greuther Fürth. Auf dem nigelnagelneuen Trainingsgelände des Zweitligisten habe ich ihn getroffen: Den Mann, der den Profis das Aufräumen beibringt.

Der Name ist das Erste, was mich bei einem fränkischen Original stutzig macht. "Hardy? Heißt du wirklich so?" "Freilich. Wie Hardy Krüger", sagt der Mann in T-Shirt und kurzer Hose grinsend, während ich meine Jacke ausziehe.

Wir sitzen zusammen mit Pressesprecher Immanuel Kästlen im noch nach frischer Farbe riechenden Besprechungsraum. Die Fürther haben in der Kronacher Straße kürzlich ihr neues Trainingszentrum eröffnet. Direkt neben der Autobahn, nur einen Steinwurf entfernt vom Landesligisten FSV Stadeln.
 

 


Sportlich läuft es bei den Fürthern nach dem Abstieg wieder ganz ordentlich in der Zweiten Liga. Die Abgänge wurden adäquat ersetzt, der Wiederaufstieg scheint durchaus möglich. Mittendrin im Haifischbecken Profifußball schwimmt mit Hardy Hiesinger ein echter fränkischer Karpfen, der von 2009 bis 2012 Busfahrer der Profis war und jetzt als Zeugwart für Ordnung sorgt.


Wolfsberg, Obertrubach, München, Dortmund

In das familiäre Umfeld des Zweitligisten passt Hiesinger perfekt. Man hat sich gesucht und gefunden: Viele Jahre war er selbstständiger Bus- und Lkw-Fahrer. Durch ganz Europa fuhr Hiesinger Reisegesellschaften in ihre Urlaubsorte, unter anderem für Schmetterling Reisen. Als das Unternehmen den Mannschaftsbus für die Bundesliga-Profis stellte, wurde Hiesinger gefragt, ob er nicht Chauffeur der Profis werden möchte.

Der heute 46-Jährige hat als langjähriger Kicker des SV Wolfsberg und der SpVgg Obertrubach sowieso einen Bezug zum Fußball und musste deshalb nicht lange überlegen. Und so wurde aus dem ehemaligen Mittelfeldspieler, der mit Obertrubach einst von der C- in die B-Klasse aufstieg, der Busfahrer eines Profivereins: "Ich kann mich noch gut an die Buspräsentation in Fürth erinnern. Ich im feinen Anzug und kannte keinen einzigen Menschen." Kisten statt Koffer stapelte er fortan im grün-weißen Bus. "Die erste Tour ging zu einem Freundschaftsspiel nach Bad Boll ins Schwäbische."


"Die Jungs müssen sich wohlfühlen"

"Und wie war es so mit den Promis auf Tour?", will ich wissen "Am Anfang war es schon was Besonderes, wenn hinter dir zum Beispiel der Benno Möhlmann sitzt." Mittlerweile ist Hiesinger "in die Strukturen hineingewachsen". Details plaudert er nicht aus. "Aber wenn bei der Fahrt zum Spiel an jeder Ampel der Klodeckel klappert, weißt du Bescheid", sagt er bedeutungsschwer und sieht mich mit hochgezogenen Brauen an. Aha - also sind auch gestandene Bundesliga-Profis vor dem Spiel noch nervös.

Nachdem der alte Zeugwart im vergangenen Jahr in den Ruhestand gegangen war, hat mit Hiesinger der Busfahrer übernommen. Für Hiesinger und den Verein ein echter Glücksfall, denn "der Hardy" ist bei den Spielern sehr beliebt und als Zeugwart noch näher dran am Team. Ein neuer Busfahrer war über Schmetterling Reisen dann auch schnell gefunden und Hiesingers Weg zum neuen Job als Zeugwart war frei.

Was macht ein Zeugwart eigentlich? Trikots waschen? "Nein", sagt der Hardy, "ich bin verantwortlich für die Ausrüstung." Jeder Spieler hat vier Sätze zur Verfügung, bestehend aus Regenjacke, T-Shirt, kurzer Hose, langer Hose und so weiter. Die stehen immer parat, das ist Hiesingers Job. "Die Jungs müssen sich wohlfühlen," erklärt er.

Den Trainings-Wochenplan bekommt Hiesinger genauso wie die Spieler. Haben die Profis frei, hat auch der passionierte Motorradfahrer frei. "Meist einen Tag in der Woche", weiß der SpVgg-Pressesprecher Kästlen , "je nach Spielplan". Nur einen freien Tag in der Woche? Hiesinger nickt stoisch: "Dafür muss ich abends oder nachts nicht mehr arbeiten, wie früher im Reiseverkehr."

Ist das jetzt ein Aufstieg vom Busfahrer zum Zeugwart, frag ich mich. Vielleicht sogar ein Traumjob? "Ich suche die Herausforderung", sagt der Ex-Busfahrer im Brustton der Überzeugung. "Wenn die deutsche Nationalmannschaft mich anruft oder der FC Bayern...." Hiesinger und Kästlen sitzen sich gegenüber und grinsen einander zu. "Ich bin zufrieden", schiebt der Zeugwart nach.


Ein Zwanzger für die Mannschaftskasse

Als Busfahrer saß er schon mit auf der Trainerbank in Profistadien in ganz Deutschland, als Zeugwart tut er das auch. Der 46-Jährige zieht im Hintergrund die Fäden und klatscht die Spieler vor den Partien in der Kabine ab. "Und wenn man dann raus geht und ein Franck Ribéry läuft dir über den Weg, dann ist das schon was ganz Großes", sinniert Hiesinger.

Er kann sein Hobby leben, ist beliebt und wird respektiert. Wenn er den Profis sagt, dass sie ihre Fußballschuhe sauber machen müssen, dann machen sie es auch. Und auch auf die Sauberkeit in den Kabinen achtet der Zeugwart. "Er ist einfach nah dran an den Spielern", weist mich Pressesprecher Kästlen auf die besondere Stellung Hiesingers hin.

Der Zeugwart ermahnt seine Jungs, wenn sie sich nicht an seine Vorgaben halten. Und wenns nicht hilft? "Dann knöpf ich ihnen einen Zwanzger für die Mannschaftskasse ab", zuckt der Hüter der Ordnung lässig mit den Schultern. Ja können denn alle Fürther Profi-Spieler überhaupt Deutsch? "Ach, ich mit meinem Englisch-Türkisch-Mix mach mich scho' verständlich". Glaub ich aufs Wort.

Hardy Hiesinger erinnert sich an die Aufstiegssaison mit der SpVgg Greuther Fürth