Dass die Gruppe Frei.Wild rechts ist, darüber muss man überhaupt nicht diskutieren, wenn man nur einige Youtube-Videos gesehen und Songtexte gelesen hat, die alle auf ihrer Homepage stehen. Das martialische Outfit und Getue sind ein Surplus, der Code, den Eingeweihte gewiss erkennen, worauf der Enthüllungsjournalist Thomas Kuban mehrmals zu Recht hingewiesen hat. Freilich sind die Südtiroler - eigentlich wäre jetzt ein Exkurs zu Politik und "Freiheits"-Bewegungen in dieser Provinz fällig - clever genug, sich von offensichtlichen Nazis zu distanzieren. Indizierungen stünden auch konträr zum offensichtlichen kommerziellen Erfolg. (Nebenbei: Alleine dafür, dass die Welt von schlechter Musik befreit würde, wäre ihr Verschwinden wünschenswert.)

In ihrem Kampf gegen eine angebliche Diktatur politischer Korrektheit, gegen die Medien, gegen das, was sie für links hält, vergreift sich die Truppe nicht nur im Ton, sondern wählt perfide Vergleiche, indem sie sich zu den Verfolgten von heute stilisiert. Die Texte wimmeln von martialischen Anspielungen, Männlichkeitswahn, Kampf, Aggression.

Es soll hier einmal gesagt werden, dass es für eine faschistoide Band nicht unbedingt faschistische Texte braucht - die Inszenierung mit Ideologemen wie der Nazi-Lichtästhetik, der Spielerei mit Riefenstahl-Sequenzen, dem faschistoiden Körperkult genügt. Alles bei den furchtbaren "Rammstein" zu finden. Übrigens eine ganz ähnliche Gruppe, die im von Medien kaum wahrgenommenen Deutschrock-Untergrund wabert, sind die "Böhsen Onkelz": Herkunft aus dem Rechtsextremismus, laut proklamierte Läuterung, primitive Texte, dumme Musik. Gerne auf dem flachen Land auch von Cover-Bands verbreitet. Und einige Mittelalter-Bands sollte man sich auch einmal näher ansehen (wenn man ekelresistent ist).

Nun wollen Grünen-Politiker Konzerte der Band zum Beispiel demnächst in Geiselwind verbieten lassen. Dieser reflexhafte Ruf nach dem Staat, die Hysterie, enerviert allerdings auch. Abgesehen davon, dass das Getue um die Gruppe sie bekannter und letztlich auch reicher macht.

Wenn "Frei.Wild" nicht mehr spielt, existieren die dumpfen Bedürfnisse, die sie offenbar befriedigt, dennoch. Die Grünen sollten sich lieber fragen, ob die Frei.Wild-Anhängerschaft - zum Gros jüngere Männer aus der sogenannten Unterschicht, früher hieß das einmal Arbeiterklasse - überhaupt noch eine politische Repräsentanz besitzt. Die Sozialdemokratie hat sie verraten und vergessen, die Grünen werden als Partei der wohlhabenden oberen Mittelschicht wahrgenommen und sind es auch, die Linke existiert im Westen nicht, die Konservativen - ach Gott. Das sollte man sich einmal überlegen, wenn man sich mit dem rechtskonservativen Sumpf befasst. Und ob statt endloser Debatten über Frauen in Führungspositionen ein anständige Tarifverträge für die Mehrheit der Männer und Frauen nicht wichtigere politische Ziele wären.

Das war eine weite Abschweifung. Lasst sie in irgendwelchen Hallen grölen! Triebabfuhr hält sie womöglich von Schlimmerem ab. Wichtiger wäre es, den Sumpf, der Phänomene wie diese Band erst hervorbringt, mit politischen Mitteln auszutrocknen.