Seit ein paar Wochen lernen wir neue Begriffe. NSA kannten wir vielleicht schon vorher vage. Dann kam Prism hinzu, dann ein offenbar wunderbar durchdachtes und leistungsfähiges Programm namens XKeyscore. Mit dessen Hilfe haben Mitarbeiter Zugriff auf eine gewaltige Datenmenge, die zudem auch noch entsprechend durchsucht werden kann. Nach Namen, E-Mail-Adressen, Telefonnummern und Schlagworten. Und für diese Schnüffelei ist offenbar weder ein richterlicher Beschluss noch eine besondere Anordnung innerhalb der NSA nötig. Denn - und das hat auch Edward Snowden schon vor eine paar Wochen enthüllt - wer die entsprechend Zugriffe hat, kann beispielsweise E-Mails tatsächlich lesen, also nicht nur ihren Weg verfolgen, sondern auch deren Inhalt öffnen.


Inhalte lesen, Daten speichern


Nun ist es nicht überraschend, dass Systemadministratoren mehr sehen und mehr bearbeiten können als "normale" Nutzer. Überraschend ist hingegen, dass die gesamte Internetaktivität eines jeden einzelnen beobachtet werden kann. Die Inhalte der Kommunikation - also beispielsweise von E-Mails - würden drei bis fünf Tage, Verbindungsdaten bis zu 30 Tage lang gespeichert. Nach Angaben von NSA-Chef Keith Alexander dürfen nur 22 Mitarbeiter die Erlaubnis erteilen, eine Telefonnummer auf die Liste der zu überwachenden Nummer zu setzen. Und wiederum nur 35 können überhaupt eine entsprechende Suchanfrage absetzen.


Spekulation ist müßig


Als Begründung für all diese Schnüffelei wird immer wieder gerne angegeben, dass ja eine bestimmte Anzahl an Terroranschlägen verhindert worden sei. Wenn dem so ist, haben diese Aktionen ein Gutes. Doch weshalb konnte etwa der Anschlag in Boston nicht verhindert werden? Und konnten Menschenleben tatsächlich gerettet werden, weil man deren E-Mails lesen konnte? Es ist ziemlich müßig mit zahllosen Wenns und Abers über Vorgänge in der Vergangenheit zu spekulieren. Doch das ist noch lange kein Grund, das Internet zu einem Raum zu machen, in dem keinerlei Gesetze gelten und jeder per se unter Generalverdacht gestellt wird. Einfach dadurch, dass dessen Verhalten überwacht und aufgezeichnet wird.

Was bleibt dem normalen Nutzer? Sich aus diesem Neuland zu verabschieden? Keinerlei amerikanischen Dienste mehr nutzen? Seine E-Mails verschlüsseln? Zwar sollte man wie immer mit gesundem Menschenverstand surfen und nicht alles von sich preisgeben. Doch sich komplett aus dem Internet zurückzuziehen oder beispielsweise auf einen gut funktionierenden Cloud-Dienst zu verzichten - mit allen lieb gewonnenen Annehmlichkeiten - erscheint bei näherer Betrachtung doch recht abwegig. Zumal nicht der ganz normale Nutzer an der unheimlichen Überwachung schuld ist.


Erschreckendes Ausmaß - erschreckende Empörung


Die Tatsache, dass es nicht nur einem geheimen Staat im Staate gibt, ist bei Geheimdiensten nicht unbedingt überraschend. Erschreckender ist das Ausmaß, das diese Überwachung zu haben scheint und die immer wiederkehrende Empörung, die unsere Bundesregierung an den Tag legt. Es ist längst an der Zeit, uns Bürgern die Wahrheit zu sagen, nämlich, dass jede Regierung über das Treiben Bescheid wusste.

Den Nutzern bleibt bis dahin der Sarkasmus, der sich schon mal in dem Hinweis äußert, doch Post mit dem Hashtag #NSA zu versehen und auf Englisch zu schreiben. Damit es die Geheimdienstler nicht gar so schwer haben.