Bücher sind etwas Wunderbares. Sie entführen in neue, unbekannte Welten oder vermitteln Wissen. Wer als Kind oder Jugendlicher seine Begeisterung fürs Lesen entdeckt hat, kann sich meist als Erwachsener nicht vorstellen, ohne Bücher auszukommen. Selbstverständlich ist es ein ganz besonderes Erlebnis, ein neues Buch aus der Schutzfolie herauszufummeln, es zum ersten Mal aufzuschlagen, die Seiten zu fühlen und den Geruch einzuatmen. Vom allmählichen Eintauchen in die Geschichte und ihrer Figuren ganz zu schweigen. Wer viel liest, sammelt im Laufe von einigen Jahren eine ansehnliche Bibliothek an, die entsprechend viel Platz braucht. Und wer oft unterwegs ist, muss nicht nur mit der Größe seines Gepäcks haushalten sondern auch mit dem Gewicht der mitgeschleppten Lektüre.


Leichter und gelenkschonender


Findige Werbestrategen wollen uns daher Glauben machen, dass es viel einfacher, leichter und gelenkschonender sei, auf einem elektronischen Gerät zu lesen, das dann auch neudeutsch als E-Book-Reader daher kommt. Und - sie haben recht damit. Während beispielsweise ein Kindle des Internetversandhändler Amazon um die 200 Gramm wiegt, dem wird erst wirklich bewusst werden, wie schwer ein dicker Wälzer mit 500 Seiten und mehr sein kann. Dass man sich mit dem Kauf eines E-Book-Readers auch auf ein bestimmtes Format, in der Regel auch auf einen bestimmten Händler (Amazon ist da das prominenteste Beispiel) und auf dessen Angebot festlegt, sollte man sich vor dem Kauf bewusst machen.


Ein Unding sind technische Hindernissen


Als Kunde und Leser ist es aber nicht einfach, sich durch diverse Fachbegriffe und die entsprechenden, Formate zu kämpfen, wenn man nicht gerade technikaffin ist und bereit ist, Bücher am Computer umzuformatieren. Von der dafür benötigten Software ganz zu schweigen. Ein Unding, wenn man bedenkt, dass man so Käufer von vorneherein abschreckt oder zumindest verunsichert. Während der Börsenverein des Deutschen Buchhandels also nicht müde wird, mindestens das Ende des Buches, wenn nicht gar das des gesamten Abendlands zu verkünden, rüstet das Böse in Form von Amazon auf. Mit einem Kampfpreis von 49 Euro ist der billigste Kindle als echtes Lockmittel gedacht - die neueste Lesetafel verspricht noch mehr komfortablen Schnickschnack. Gleichzeitig bekommen Amazon-Kunden in den USA zusätzlich zu jedem Buch gegen einen geringen Aufpreis die digitale Variante zusätzlich. Rückwirkend werden alle bisher bei Amazon gekauften Bücher digital zur Verfügung gestellt, sofern die erhältlich ist.


Größere Auswahl


Zwar ist noch nicht klar, inwieweit diese Möglichkeit auch deutschen Kunden zur Verfügung stehen wird, Amazon arbeite aber daran, dass "alle Services auch in Deutschland zur Verfügung stehen werden", wie Kindle PR Managerin Veronika von Bredow auf Anfrage mitteilte. Freilich wird sie auch nicht müde, zu betonen, dass sich das Kindle-Buch-Angebot innerhalb zweier Jahre deutlich gesteigert habe und dass Kunden, die einen Kindle besitzen, bis zu dreimal soviel lesen würden als vorher. Und natürlich sei es etwas ganz andres, in einer "richtigen" Buchhandlung einzukaufen, weil man sich da viel mehr überraschen lassen könne.

Überraschend wäre es, wenn Bedenkenträger und Weltuntergangsverkünder ihre Einstellung ändern würden. Denn so wenig wie das Fernsehen das Radio zum Aussterben verurteilt hat, so wenig wird das elektronische Buch das herkömmliche verdrängen. Beide haben ihre Liebhaber, beide ihre Vor- und Nachteile, Hauptsache aber, es wird überhaupt noch gelesen.