Mal wieder muss ich einen Beitrag mit den Worten beginnen: Die Älteren unter uns werden sich erinnern … Denn noch vor einigen Jahren war die Vielfalt der Betriebssysteme im Handy- und Smartphone-Bereich riesig. Jeder Hersteller hatte für die normalen Handys sein eigenes System, darüber standen Windows Mobile, BlackBerry und Palm OS als die Systeme für Geschäftskunden. Microsoft, Research in Motion (RIM, heute BlackBerry) und Palm waren damals fortschrittliche Unternehmen, die über die Jahre allerdings „in die Jahre“ kamen und schließlich von Apple und Google überrannt wurden. Und mit ihnen Branchengrößten wie Nokia – das finnische Unternehmen hatte schlicht den Trend zum Touchscreen verschlafen.

Palm ist schon seit Längerem verschwunden, und BlackBerry beerdigt gerade sein eigenes Betriebssystem und setzt zunehmend auf Android. Einzig Microsoft ist übrig. Mit Windows Phone, kürzlich in Windows 10 Mobile umbenannt, hat Microsoft zwar ein gutes Betriebssystem im Petto, das allerdings gegenüber Android und iOS einen großen Nachteil hat: Das Angebot an Apps ist vergleichsweise gering. Für viele Nutzer, die vor allem Kalender, E-Mail, Chat-Programme und den Browser nutzen, ist das kein Nachteil, die junge Generation, der dort aber Apps wie Snapchat fehlen, macht einen großen Bogen um Windows auf dem Smartphone. Und das drückt sich in den Marktanteilen aus – noch 2015 tendierte Microsoft in Richtung der zehn Prozent in Deutschland, aktuell ist nur noch jedes hundertste verkaufte Smartphone ein Gerät mit Windows.

Kommt ein Surface-Phone?
Wie auch beim Desktop hat Microsoft mit Windows 10 Mobile einen Strukturwandel vollzogen. Das Ziel: Ein auf allen Geräten gleiches Nutzererlebnis. Das Problem dabei: Windows 10 Mobile ist bisher erst auf wenigen Smartphones angekommen, viele werden auf dem Stand des Vorgängersystems Windows Phone 8.1 stehenbleiben. Und die Hersteller wie Samsung, HP, LG & Co. kritisieren schon lange, dass Microsoft unter der Marke Lumia selbst Smartphones herstellt – und ihnen damit kaum Spielraum für Gewinne lässt. Mit Lumia-Smartphones, das pfeifen die Spatzen von den Dächern, wird aber in absehbarer Zeit Schluss sein, zumindest bei den Topmodellen.

Denn wenn Microsoft insbesondere auf Businesskunden setzen und damit an die Erfolge aus früher Zeit anknüpfen möchte, müssen Hersteller wie HP mit ins Boot. HP ist eines der wenigen Unternehmen, das bereits ein aktuelles Smartphone mit Windows 10 Mobile gezeigt hat, es soll im Sommer auf den Markt kommen. Glaubt man der Gerüchteküche, wird Microsoft dennoch in Zukunft Gerätehersteller bleiben, und zwar, wie bei den Tablets und Convertibles (Surface), mit einem Vorzeigemodell, das andere Hersteller inspirieren soll. Vor 2017 rechnet aber niemand mit dem so genannten Surface-Phone.

Der Technik-Michel meint:
Man kann über Microsoft denken, was man möchte. Klar ist aktuell aber: Microsoft wird gebraucht. Denn nur Android und Apple im Smartphone-Markt – das wäre auf Dauer nicht gut, schon jetzt ist die Marktdominanz gefährlich. Somit könnte die Idee, besonders auf die Businesskunden zu setzen, der richtige Schritt sein. Denn dort laufen hauptsächlich Windows-PCs und -Notebooks, das Ökosystem ist somit schon vorhanden.