Zum Jahreswechsel will die Deutsche Bahn in allen ICE-Zügen auch in der zweiten Klasse kostenfreies WLAN bereitstellen. Aktuell wird das neue Angebot in einigen Zügen bereits getestet. Dabei fiel auf: Der Zugang zum WLAN ist ohne Passworteingabe möglich. Das bedeutet: Wer technisch versiert ist und über die notwendigen Tools verfügt, könnte theoretisch die anderen im gleichen WLAN befindlichen Geräte ausspionieren. Die Bahn hat zwar gegenüber der Internetseite silicon.de erklärt, dass diverse Sicherheitsmerkmale eingebaut würden, um das Surfen im Vergleich zu typischen öffentlichen Hotspots sicherer zu machen. Dennoch könne man nicht für die vollständige Sicherheit der WLAN-Verbindungen garantieren – die Fahrgäste seien selbst verantwortlich für den Einsatz von Sicherheitsmaßnahmen, um ihre eigenen Daten zu schützen.

Das Stichwort hierzu heißt VPN. Damit schaltet sich, vereinfacht ausgedrückt, zwischen die Verbindung ein weiteres Netzwerk zur Absicherung. Allerdings nutzen sehr wenige Anwender solche VPN-Dienste im Privatbereich, bei Unternehmen sieht die Situation anders aus. Hintergrund ist auch, dass viele VPN-Dienste kostenpflichtig sind oder nur geringe Datenmengen zulassen, so dass bei häufigerer Anwendung auf jeden Fall ein kostenpflichtiges Paket notwendig wird.

Hinzu kommt: Die Bahn beschränkt pro Nutzer zwar nicht die Geräteanzahl, die gleichzeitige Verwendung von Smartphone und Notebook ist also kein Problem. Aber: Pro Gerät gilt ein Datenlimit von 200 MB. Und diese 200 MB sind in der heutigen Zeit schnell erreicht. Der Besuch von Videoportalen dürfte damit vollständig ausfallen, ebenso der datenintensive Austausch von Fotos. Wer also dachte, er könne im neuen ICE-WLAN wie gewohnt seiner Arbeit nachgehen oder Filme über Streaming-Dienste anschauen, dürfte enttäuscht werden. Nach Verbrauch des Volumens soll Surfen aber weiterhin mit geringer Geschwindigkeit möglich bleiben.

Der Technik-Michel meint:
Dass die Bahn das Volumen begrenzt, ist verständlich. Denn ansonsten würde das WLAN in den ICEs wohl sehr schnell in die Knie gehen. Etwas anders sieht es beim Thema Sicherheit aus. Zwar ist der ungeschützte Zugang zum WLAN die einfachste Möglichkeit, die auch am wenigsten Barrieren gegenüber dem Nutzer aufbaut. Dafür bleibt aber die Sicherheit auf der Strecke. Wer generell skeptisch in Sachen Datenschutz ist, sollte das WLAN in den ICE-Zügen daher meiden. 

Wer sich weiter informieren möchte: Informationen zur Nutzung hat die Deutsche Bahn auf einer eigenen Seite bereitgestellt.