Sicherlich auch mit Euro-Mäusen, die - wie zuletzt bei der CDU der Fall - mal eben in Milliardenhöhe in die Kassen der Wähler versprochen werden.Erhöhung des Kindergelds, Einführung einer Mütterrente, Verbesserung der Berufsunfähigkeitsrente - wer fühlt sich da nicht versucht, sein Kreuz an der entsprechenden Stelle zu setzen? Doch auch andere Parteien verteilen die Zahlen-Mäuse vor der Wahl fleißig hin und her, freilich nur solange, bis es um echtes Geld geht. Und damit bleiben die Zahlengebilde am Ende in der Regel reine Theorie.

Zunehmend im Trend ist der Kampf um die Stimmen jedoch mit den Mäusen, mit denen man seine Eingaben am Computer ins World Wide Web und damit direkt auf den Bildschirm der eigenen Zielgruppe schicken kann. Barrack Obama hat das vorgemacht. Der US-Präsident ist der unumstrittene König des Internet-Wahlkampfes. Twitter, Facebook und Podcasts sind sein Erfolgsrezept. Allein das Foto, auf dem Obama seine Frau anlässlich seines Wahlsieges umarmt, wurde mehr als 800.000 Mal retweetet, also unter Twitter-Nutzern geteilt.

Von dieser Wahlkampf-Euphorie im Netz kann man hier in Deutschland nur träumen. Hier zählt nicht so sehr wie in den USA der Politiker als Person, sondern vor allem die eher unpersönliche Partei. Dennoch sind natürlich auch unsere Politiker im Netz vertreten. Die Vorteile liegen auf der Hand: Hier kann man sich sowohl präsentieren als auch sofort eine Rückmeldung zu seinem Auftritt erhalten.

Das Internet ist aber auch und vor allem für die Wähler interessant. Nach der aktuellen Studie "Demokratie 3.0" des Hightech-Verbandes BITKOM informieren sich 60 Prozent aller Bundesbürger online über Politik, 37 Prozent halten das Internet für wahlentscheidend und ein Drittel nimmt im Web sogar aktiv am Wahlkampf teil - teilen also ihre politischen Ansichten via Twitter, Facebook und Co. mit anderen. Klar, die jüngere Generation ist im Internet weitaus aktiver als deren Eltern und Großeltern, was sich im Twitterbarometer von Sascha Lobo wiederspiegelt.

Der Autor, Blogger und Strategieberater will mit diesem Barometer die politische Stimmung im Netz messen - im Gegensatz zu den herkömmlichen Meinungsumfragen ist dies aber nicht repräsentativ, sondern spiegelt nur ein Bild dessen wieder, was aktuell im Netz Positives oder Negatives über die verschiedenen Parteien getwittert wird. Die Piraten liegen hier ganz vorne, während die CDU/CSU mit den positiven Mausklicks anscheinend auf Kriegsfuß steht. Sie ist eben noch nicht ganz ausgereift, die Politik im Web. Trotzdem wird das Internet für den Wahlkampf immer wichtiger, auch Online-Wahlen sind vorstellbar. Und spätestens dann gilt mehr als schon heute: Mit Mäusen werden Stimmen gemacht!