Eine französische Stadt am Vormittag: Ein Mann bringt seinen kleinen Sohn zur Kinderbetreuung. So weit, so gut, alles normal. Doch bald merkt man, dass hier etwas anders ist, spätestens, als eine Frau mit nacktem Oberkörper durch das Bild joggt.

Wie es sich anfühlt, als Mann in einer von Frauen dominierten Welt zu leben, zeigt der Kurzfilm "Oppressed Majority" von Eleonore Pourriat. Die französische Schauspielerin und Regisseurin zeigt eine spiegelverkehrte Szenerie: Sexistische Sprüche, öffentliches Pinkeln oder einfach die Freiheit, an heißen Tagen das T-Shirt abzulegen, all das geht hier von Frauen aus.

Die platte Umkehrung erscheint wenig subtil, aber gerade so wird die Absurdität so mancher Situation offenbar, die uns völlig selbstverständlich erscheint. Man(n) zuckt zusammen, stutzt, aber was man in diesem Film sieht, geschieht andauernd, nur eben durch das andere Geschlecht. Da ist der Mann mit Kopftuch, der zuhause sitzt und sich den Bart abrasiert hat, weil es sich so gehört und es von ihm verlangt wird. Oder die Frau, die dem Protagonisten abschätzig mitteilt, dass sie wohl besser mit seiner Frau über ein Problem mit der Hausordnung sprechen sollte. An diesen Stellen zeigt der Film, dass so manche Verhaltensweise, so manche gesellschaftliche Konvention nur erlernt ist, pure Gewohnheit und durchaus nicht "halt so ist".

Nachdem die absurde Umkehrung zu Beginn immer wieder beinahe schmunzeln lässt, bleibt dem Betrachter im Verlauf des Films das Lachen im Hals stecken. Dann nämlich, als der Hauptdarsteller von ein paar rabiaten Frauen beschimpft wird und schließlich misshandelt und sexuell belästigt.

Die Beklommenheit setzt erst richtig ein, als der junge Mann bei der Polizei sitzt, die Details des Verbrechens im Bericht der Polizei vorgelesen bekommt. Die Scham, der hier das normalerweise so "starke" Geschlecht ausgesetzt ist, verfehlt nicht seine Wirkung. Gesteigert wird dieses Gefühl schließlich, als seine Frau ihn abholt und das Opfer der Vergewaltigung sich Sprüche anhören muss, die in so mancher Debatte über sexuelle Gewalt gegen Frauen kursierten und kursieren. Er brauche sich gar nicht beschweren, so wie er sich anziehe. Die Unterstellung, kurze Hosen und Flip Flops hätten die Vergewaltigerinnen nur ermutigt, wirkt so grässlich schief, aber genau das passiert des Öfteren mit weiblichen Vergewaltigungsopfern. "Slut Shaming" werden diese Vorwürfe genannt, die Meinung, Frauen, die vergewaltigt werden, seien irgendwie selbst daran schuld, etwa durch ihre aufreizende Kleidung.

Eleonore Pourriat ist sicher nicht die erste und einzige, die auf die Idee eines "Gender Swap"-Videos gekommen ist, aber "Oppressed Majority" lässt den Zuschauer nachdenklich zurück. Gerade, was den alltäglichen Sexismus angeht, der weniger offensichtlich ist als direkte körperliche oder psychische Übergriffe. Kann man all die kleinen Sexismen leugnen oder weglachen, beziehungsweise abtun mit einem "Hab dich nicht so, ist doch nicht böse gemeint"? Wie würden wir uns - die Männer, eigentlich die Minderheit auf diesem Planeten - fühlen, wenn dieser zehnminütige Film Realität wäre, unser Leben so aussehen würde?

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