Die Demütigung kam zum Schluss. Knapp 40 Fahrrad-Kilometer steckten in meinen - von Sport lange verschont gebliebenen - Beinen. Die Idee, der Bergetappe über gefühlt alle sieben Bamberger Hügel noch weitere Kilometer entlang der Regnitz folgen zu lassen, verzeiht der geübte Couch-Potatoe auch nur dem besten Freund.
Da ich meinen Besuch aus dem heimischen Rheinland zweifellos in diese Kategorie einsortieren würde, folgte auf die gefühlte L'Alpe d'Huez-Bergankunft nun noch eine Tour, die uns entlang der Regnitz, des Main-Donau-Kanals und Landstraßen irgendwo bis hinter Hirschaid führte. Erst die Dunkelheit zwang uns zum Umkehren.

Nun weiß auch ich, dass 40 Kilometer auf zwei unmotorisierten Rädern nicht gerade die Fitness-Welt sind. In knapp unter zwei Stunden - Pausen mitgerechnet - habe ich diese bislang aber noch nicht zurückgelegt. Klar, dass ich zwar zufrieden, aber dennoch entsprechend verschwitzt in meiner Wohnung ankam. "Willst Du zuerst unter die Dusche oder soll ich", fragte ich meinen Besuch, nachdem ich mit letzter Kraft die Tür aufgeschlossen hatte. Schließlich kann man ja trotz aller Erschöpfung versuchen, ein guter Gastgeber zu sein. Die Antwort hätte ich lieber nicht gehört. "Ich muss nicht duschen. Ich hab' ja gar nicht geschwitzt", sagte er lapidar. Hätte er in diesem Moment erzählt, dass er meinen Wagen gerade eben zu Schrott gefahren und mein gesamtes Vermögen zuvor aufs falsche Pferd gesetzt hat - es wäre mir deutlich lieber gewesen.

Vielleicht war diese Demütigung die Strafe für das Ausredenduell, das Martin und ich uns in den Wochen zuvor lieferten. Die Antwort auf die Frage, ob der Andere denn diesmal auf dem Fahrrad den Weg in die Redaktion gefunden habe, kannten wir schon, bevor wir sie stellten; unabhängig davon, ob nun das kalte Wetter, die bereits fortgeschrittene Zeit oder die falsche Kleidung angeführt wurde.


Wenn Muskeln sauer werden


Kurzum: Die von unserem Fitness-Experten Markus Mönius aus Höchstadt geforderten drei wöchentlichen Sporteinheiten habe ich in den ersten drei Wochen unseres Experimentes nicht einmal im Ansatz erfüllt. So ehrlich, die von der Anfangseuphorie geprägten ersten Tage nicht mitzuzählen, bin ich dann doch. Das schöne Gefühl einer überstandenen Trainingseinheit hält leider nicht so lange an wie der anschließende Muskelkater, der sogar Regionen befiel, die in meinem Körper anscheinend einen langjährigen Winterschlaf gehalten hatten und sich nun erheblich darüber beschwerten, geweckt worden zu sein.

Immerhin zeigte die von Markus Mönius vorgeschriebene Diät Wirkung. Auch ohne regelmäßige Bewegung purzelten - oder besser: reduzierten sich - die Kilos. Rund drei haben sich von meinem Couch-Potatoe-Körper verabschiedet. Hoffentlich für längere Zeit.

Denn etwas Gutes hatte meine oberfränkische Höllentour dann doch. Ausreden muss ich mir seit vergangener Woche nicht mehr einfallen lassen. Trotz der Schmerzen, trotz der Demütigung - der Ausflug hat Spaß gemacht. Doch das Schönste ist: Ich bin dabei geblieben - und es macht immer noch Spaß. "Die Bewegung muss zur Gewohnheit werden, dann wird es leichter", hat Markus uns bei unserem ersten Treffen gesagt. Der Experte hat recht! Schritt Nummer 1 ist geschafft. Nun muss der nächste folgen. Die Muskeln haben lange genug Winterschlaf gehalten. Jetzt ist das Auto an der Reihe.