So sieht er also aus, der Stahl gewordene Traum Felix Magaths. Vermute ich jedenfalls. Denn perfider könnte ein - nennen wir es Trainingsgerät - kaum sein. Dabei wirkt die Treppe auf den ersten Blick harmlos; aufgesetzt auf kleine Streben scheint sie sogar über dem Berg zu schweben. Schön für sie. Für meinen Versuch, die in 102 Metern Höhe auf mich wartende Aussicht über Teile des Niederrheins und des Ruhrgebiets zu erreichen, dürfte jedoch ein anderes Verb als "schweben" das Wort der Wahl sein.

Der anfängliche Elan ist spätestens nach 100 Stufen verflogen. Aufgehört zu zählen habe ich schon vorher. Irgendwo zwischen Stufe 80 und 89 entscheidet ein Teil meines Körpers, dass es doch besser wäre, sich darauf zu konzentrieren, ausreichend Luft zu bekommen. 359 sollen es am Ende gewesen sein, erfahre ich später.
Zugegeben, perfide klingt das jetzt nicht gerade. Doch das Gemeine ist: Der Weg nach oben ist in vier Abschnitte unterteilt. Vielleicht hätte es mir geholfen zu wissen, wie viele noch auf mich warten. Denn zu sehen sind sie von unten aus nicht. Ich sehe nur schwarz - was aber diesmal weniger an meiner körperlichen Verfassung liegt, sondern vielmehr an der Tageszeit. Schließlich ist es Nacht. Alles, was zu sehen ist, ist schwarzer Himmel. Kein Wunder, dass das Stahlkonstrukt Himmelstreppe genannt wird.

Eine besondere Aussicht
Der Grund, warum ich mich nach oben schleppe, ist einfach. Zusammen mit zwei Freunden möchte ich den Jahreswechsel mit einer besonderen Aussicht feiern. Hoch oben auf dem angehäuften Nebengestein der 2001 stillgelegten Zeche Niederberg im nordrhein-westfälischen Neukirchen-Vluyn soll sie perfekt sein und bei gutem Wetter von der sogenannten Halde Norddeutschland sogar den Blick über Teile von Moers, Voerde und Duisburg ermöglichen.

Doch nicht nur die schöne Aussicht treibt Viele die Stufen empor. Häufig sind es tatsächlich auch Trainer. Nur ausgerechnet Felix Magath nicht. In seiner Zeit beim FC Schalke 04 ließ er die Mannschaft die 111 Stufen des Gelsenkirchener Parkstadions auf und ab laufen. Ob er die halbstündige Fahrt zur Himmelstreppe mit dem Wissen auf sich genommen hätte, dass die Qual dort noch größer ist? Norbert Meier verlegte als Trainer von Fortuna Düsseldorf 2009 dagegen eine Konditionseinheit vom Rheinland an den unteren Niederrhein und ließ den damals frischgebackenen Zweitliga-Aufsteiger in der Sommerhitze schwitzen.

Mir reichen auch die Minusgrade, um erste, in der Weihnachtszeit rein zufällig erworbene, überflüssige Kalorien wieder loszuwerden. Ganz so viele wie befürchtet haben sich zum Glück nicht angesammelt - obwohl sich das "Training" bis auf die magathsche Einheit lediglich auf längere Spaziergänge beschränkte. Nun stehen die nächsten Ausdauerstunden mit dem Fahrrad auf dem Programm, und dann gibt es da ja noch die Sache mit dem Ballgefühl. Als dieses verteilt wurde, habe ich wohl nicht ganz so laut "hier" geschrien. Doch dafür gibt es ja wiederum ein spezielles Training - ganz ohne Treppen.