Wat is en Dampfmaschin?" Ältere werden sich noch gut an diese Frage des Lehrers an seine Oberprimaner in dem Filmklassiker "Die Feuerzangenbowle" erinnern. Wer die Frage beantwortet haben möchte, sollte sich einmal im Industriemuseum Lauf umsehen. Wir taten es. Um festzustellen, dass ein Ausflug in unsere industrielle Vergangenheit unglaublich spannend sein kann. Christiane Müller, promovierte Archäologin, Medienwissenschaftlerin und Museumsleiterin seit 2012, führt uns über ein 6000 Quadratmeter großen Gelände, unmittelbar an der Pegnitz gelegen.

Der Standort ist bewusst gewählt, weil ohne die hier genutzte Wasserkraft frühindustrielle Produktionsformen gar nicht vorstellbar sind. Für eine Roggenmühle beispielsweise, ein Elektrizitätswerk oder ein Eisenhammerwerk. Mächtige Wasserräder sind da zu sehen, mit deren Hilfe die Maschinen im Gebäudeinneren angetrieben und zugleich Strom erzeugt wurde. Noch nahezu bis Ende des vergangenen Jahrhunderts war das der Fall, erzählt die 34jährige Museumschefin mit sichtlicher Begeisterung. Und verweist nicht ohne Stolz darauf, dass nahezu alles, was in ihrem Museum zu sehen ist, auch noch funktioniert. Das Hammerwerk etwa, das die Hausmeister immer wieder mal in Betrieb nehmen, wenn Reparaturen notwendig werden.

Wie konnte ein solches Museum überhaupt entstehen? Da spielte natürlich auch der Zufall mit. Die Idee für ein solches Museum hatte man schon in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Ausschlaggebend wurde schließlich, dass der letzte Inhaber der Firma Dietz&Pfriem, die ihre Ventilkegel noch bis 1991 produzierte, ohne Nachkommen blieb, deshalb seit den 70er Jahren nicht mehr investiert hatte und Maschinenhallen plus Gelände einer Stiftung vermachte. Ideale Voraussetzungen, um hier ein Industriemuseum einzurichten.

Weil man so eben nicht nur eine mit Wasserkraft betriebene Roggenmühle bewundern kann, sondern auch die Betriebsabläufe bei einem Automobilzulieferer, dessen Ventilkegel bis anfang der 90er Jahre weltweit in Motoren aller bekannten Autofirmen eingebaut wurden. Jeder einzelne Arbeitsschritt kann nachverfolgt werden. In den Produktionshallen oder im Versandraum liegen noch Zigarettenschachteln der letzten Schicht, an der Wand hängen Kalender aus dem Jahr 1991 - als ob die Zeit stehen geblieben wäre.

Überall auf dem Gelände sind eigens Stationen für Kinder angelegt. Hier kann gehämmert oder ein Stöckelschuh aus den 50er Jahren anprobiert werden. Eine Originalflaschnerei wurde aufgebaut, eine Hutmacherwerkstatt, ein Friseursalon aus den 50er Jahren. Zu sehen ist eine Arbeiterwohnung um 1900, ebenso Küche und Wohnzimmer der Nachkriegszeit. Wer Interesse hat, sollte Zeit mitbringen.

Öffnungszeiten Von 1. April bis 30. November jeweils Mittwoch bis Sonntag von 11 Uhr bis 17 Uhr.
Adresse Sichartstraße 5 - 25, 91207 Lauf a.d.Pegnitz
Telefon 09123/9903-0
Webindustriemuseum-lauf.de