Es mangelt an Personal in fränkischen Kindertagesstätten: Gemessen an den Empfehlungen der Bertelsmann Stiftung, die jetzt ihr Ländermonitoring "Frühkindliche Bildung" vorstellte, müssten 7889 Fachkräfte zusätzlich eingestellt werden. Außerdem würden 4665 Vollzeitmitarbeiter benötigt, um alle Kinderkrippen und Kindergärten mit professionellem Leitungspersonal auszustatten.

Kinder- und Jugendhilfestatistiken von Bund und Ländern sowie weitere amtliche Erhebungen sind die Grundlage für das Monitoring. Dessen Botschaft ist laut Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung, eindeutig: "Personalschlüssel und Leitungsausstattung sind zwei der zentralen Qualitätsmerkmale von Kitas."

Im Ländervergleich zeige sich bundesweit in Bayern das größte regionale Qualitätsgefälle beim Personalschlüssel in den Kinderkrippen. Bertelsmann empfiehlt ein Verhältnis von 1 zu 3,0 bei der Betreuung von Kindern unter drei Jahren. Wie eine Auswertung dieser Zeitung ergab, musste jedoch eine Krippenfachkraft 2017 in den Landkreisen Wunsiedel, Hof, Lichtenfels und Coburg sowie Coburg Stadt rein rechnerisch fast zwei Kinder mehr betreuen (Verhältnis 1 zu 4,2 bis 4,7) als im unterfränkischen Kreis Miltenberg (1 zu 3,0) oder im oberbayerischen Landkreis Rosenheim (1 zu 2,7).

Mittelfeld im Kindergartenbereich

Im Kindergartenbereich liegt dieses Gefälle dagegen im bundesweiten Mittelfeld. Während in Landshut mit einem Personalschlüssel von 1 zu 7,5 genau der laut Bertelsmann kindgerechte Personalschlüssel erreicht wird, schneiden die Landkreise Hof (1 zu 10,1) sowie Bamberg und Coburg (9,8) sehr schlecht ab.

Kaum besser sieht es mit dem Verhältnis 1 zu 8,7 bis 9,7 in den Landkreisen Lichtenfels, Kronach, Fürth, Kulmbach, Haßberge, Schweinfurt, Würzburg, Bad Kissingen, Kitzingen und Forchheim sowie in den Städten Bamberg, Hof und Erlangen aus. Mit einem Personalschlüssel von 1 zu 7,7 bis 8,7 rücken immerhin die Landkreise Bayreuth, Nürnberg, Erlangen-Höchstadt und Miltenberg etwas näher an die Bertelsmann-Empfehlung heran, ebenso die Städte Nürnberg, Fürth und Coburg.

Bundesweit am stärksten verbessert hat sich die Situation der Kita-Leiterinnen in Bayern. Gaben 2014 noch 25 Prozent an, keine Zeit für Leitungsaufgaben zu haben, waren es 2017 nur noch fünf Prozent. Am schlechtesten schneidet der Landkreis Hof ab (22,4 Prozent), sehr zufrieden sind die Kita-Chefinnen in den Regionen Forchheim, Erlangen-Höchstadt und Kitzingen sowie in Nürnberg.

Neues Gesetz ab 2019

Um die Qualität in der Kinderbetreuung zu verbessern, arbeiten Bund und Länder zurzeit am "Gute-KiTa-Gesetz". Es soll 2019 in Kraft treten und beinhaltet die Gebührensenkung oder bedarfsgerechte Öffnungszeiten. Die vorgesehenen Bundesmittel (5,5 Milliarden bis 2022) bewertet Bertelsmann-Vorstand Dräger jedoch kritisch. "Es wäre besser, das Geld gemessen an der Anzahl der Kinder in Kindertagesbetreuung zu verteilen." Bayern würde somit 296 Millionen Euro erhalten und könnte 48 Prozent des jährlichen Finanzbedarfs für den Qualitätsausbau abdecken.

Dräger fordert außerdem bundeseinheitliche Qualitätsstandards in Kitas. "Nur so werden gleiche Bildungschancen für alle Kinder und faire Arbeitsbedingungen für die Eltern unabhängig vom Wohnort sichergestellt."