Die Grippewelle im vergangenen Winter war außergewöhnlich schwer: Neun Millionen Arztbesuche gab es krankheitsbedingt laut dem neuen Saisonbericht der Arbeitsgemeinschaft Influenza des Robert-Koch-Instituts. In den ebenfalls starken Grippesaisons 2012/13 und 2014/15 waren es zwei Millionen Fälle weniger. Wird es heuer erneut zu einer heftigen Erkrankungswelle kommen? Und wie kann man sich vor der Influenza schützen?

Prognose ist nicht möglich

"Eine Prognose ist grundsätzlich nicht möglich", sagt Aleksander Szumilas, Sprecher des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) in Erlangen. "Weder lässt sich vorhersagen, wann eine Grippewelle beginnt, noch ob es sich um eine schwächere oder stärkere Influenza-Saison als in Vorjahren handeln wird." Dies hänge unter anderem von den aktuell vorkommenden Virustypen ab sowie von der Immunität in der Bevölkerung.

"Auch können klimatische Bedingungen dazu beitragen, dass eine Grippewelle früher beginnt", erklärt Szumilas. In der Regel beginne die Grippewelle um den Jahreswechsel bzw. zu Beginn des neuen Jahres. Einzelfälle können jedoch auch in den Sommermonaten auftreten.

Influenza ist meldepflichtig

Seit dem Inkrafttreten des Infektionsschutzgesetzes 2001 ist geregelt, welche übertragbaren Krankheiten in Deutschland meldepflichtig sind. Dazu gehört auch die Influenza. Die Meldepflicht richtet sich an den behandelnden Arzt beziehungsweise das befunderhebende Labor, die auftretenden Fälle an das örtliche Gesundheitsamt melden. Die Gesundheitsämter übermitteln alle Fälle an das LGL, das die Daten für Bayern auswertet. Die Behörde wiederum gibt die Daten an das Robert-Koch-Institut (RKI) weiter, das die Meldezahlen für das Bundesgebiet zusammenstellt.

Aktuell meldet das LGL zehn Influenzafälle in Bayern. Unterfranken blieb bislang noch verschont, in Oberfranken wurden zwei, in Mittelfranken drei Fälle gemeldet. Da die Erkrankung durchaus schwer verlaufen und sogar zum Tod führen kann, sollte man aufmerksam mit diesem Thema umgehen. "Die Schutzmöglichkeiten müssen besser genutzt werden", betont RKI-Präsident Lothar H. Wieler in einer Pressemitteilung.

Impfung als wirksame Schutzmaßnahme

Im vergangenen Winter waren besonders die Altersgruppen ab 35 Jahren an Grippe erkrankt. "Auf Intensivstationen übertraf die Zahl der Patienten mit schweren akuten respiratorischen Erkrankungen die drei Vorsaisons deutlich", sagt Wieler. Die Impfung sei trotz der von Saison zu Saison unterschiedlichen Wirksamkeit die wichtigste Schutzmaßnahme. "Mit keiner anderen Impfung lassen sich hierzulande mehr Leben retten", lautet die Einschätzung des RKI-Präsidenten.

Vor der Impfung gut informieren

Ob man sich gegen die Grippe impfen lässt, ist eine individuelle Entscheidung. Gut informiert fällt sie leichter: nach einem Gespräch mit dem Arzt oder auf Basis der Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (Stiko). Diese werden jährlich veröffentlicht (www.rki.de/stiko). Die Stiko empfiehlt die Grippe-Impfung generell nur für Risikogruppen. Dazu gehören chronisch Kranke aller Altersstufen, Schwangere und medizinisches Personal.

Schutzwirkung sinkt mit zunehmendem Alter

Für Menschen über 60 Jahre wird die Impfung ebenfalls empfohlen. Zwar wirke sie bei älteren Menschen weniger, sorge aber für einen milderen Krankheitsverlauf. Diese Ansicht teilt auch die Stiftung Warentest. "Das Immunsystem wird im zunehmenden Alter und auftretenden Begleiterkrankungen schwächer. Deshalb schützt die Impfung nicht zuverlässig", heißt es im "Themenpaket Impfen" (Juli 2017). Die Stiftung hält die generelle Impfung aller gesunden Erwachsenen über 60 nicht für sinnvoll. Für Kinder und Jugendliche dagegen sei die Schutzwirkung belegt.

Jetzt wird der Vierfach-Impfstoff bezahlt

In Sachen Impfstoff gibt es Neues zu vermelden: Die Stiko empfahl im Januar 2018, einen Vierfach-Impfstoff (statt wie bisher dreifach) gegen Grippe zu verwenden. "Dieser enthält neben den beiden A-Komponenten auch zwei B-Komponenten und verspricht daher einen Schutz gegen mehr verschiedene Virusvarianten", erklärt LGL-Sprecher Szumilas. Die Kosten für die Impfung werden von den Krankenkassen übernommen.