D ie Kinder rennen. Sie rennen über erdige Pfade und geschotterte Wege, Steinhaufen hinauf und hinunter und jetzt gerade zu einem Aussichtspunkt. Oben angekommen dreht Lars aber sofort wieder um. Er rennt ein paar Meter hinunter, in Richtung der Erwachsenen. Die kommen gemütlich angeschlendert.

Lars ist mit vier Jahren der Jüngste der Rasselbande aus Bad Rodach im Landkreis Coburg, die heute den Stein-Erlebnispfad bei Maroldsweisach im Kreis Haßberge erkundigt. Chay enne ist zehn und die älteste. Ihre Schwester Zeraphina ist sechs, genau wie ihre Freundin Luise, die Ise genannt wird und ihren neunjährigen Bruder Leonhard dabei hat. Außerdem wandern Mamas, Papas und Großeltern mit. "Kommt schnell!" schreit Lars. "Wir haben was entdeckt, Leute!" Schon flitzt er wieder den Berg hinauf zur zweiten Station des gut beschilderten Erlebnisweges. "Zeilberg-Kino" wird der Punkt genannt und zu sehen gibt es eine Menge.

Panoramablick bis in die Rhön

Der Zeilberg ist die höchste Erhebung der Umgebung, von hier aus reicht der Blick weit übers Land. "Wo wohnen wir denn?", fragt Zeraphina und schaut ins Tal. Sie will ihrer großen Schwester erst nicht glauben, dass man ihr Zuhause nicht sieht. "Guck, was da steht", erklärt Chayenne eine der Panoramatafeln, die der Landschaft zugeordnet sind: "Das ist die Rhön." Erwachsene und Kinder lernen hier viel über die Umgebung, die Natur - und die Steine. Seit 100 Jahren wird in dem ehemaligen Vulkan Basalt abgebaut und auf dem Höhenweg rundherum gibt's nicht nur die eindrucksvolle Fernsicht in die Landschaft außen herum. Sondern auch tiefe Einblicke ins Innere des Steinbruchs.

"Woah! Das ist alles Lava", sagt Leonhard beeindruckt. "Versteinerte Lava." Werktags kann man den Arbeiten zuschauen, muss aber noch mehr aufpassen, dass die Kinder die Wege nicht verlassen. Was nicht so einfach ist, wenn so ein Sack Flöhe einmal losgelassen wird. Die Kinder galoppieren die Wege entlang, Chayenne achtet darauf, dass der kleine Lars noch mitkommt. Die Erwachsenen sind vor allem als Lasttiere gefragt: Sie dürfen an den Tischen und Bänken, die es unterwegs gibt, mitgebrachte Gurken, Äpfel und Getränke auftischen. "Schau mal, so ein schöner Stein - trag den bitte für mich." Lars drückt seiner Mutter den vierten Stein in die Hand und flitzt wieder zu Chayenne. Inmitten tausender Tonnen Steine klagt Ise: Ich finde meinen zweiten Stein nicht mehr, helft ihr mir suchen?"

Steinharter Beat

Die Kinder sollen Steine sammeln, auf Info-Tafeln stellt ihnen das Maskottchen "Steh'la" verschiedene Aufgaben. Beispielsweise, zwei Steine aneinanderzuklopfen und ihren Klang zu hören. Ise gefällt die Musikstation besonders gut. Hier bilden verschieden lange, rechteckige Steine ein Xylophon. Die Sechsjährige haut mit dem metallenen Schlägel nacheinander auf die Klangsteine, probiert ihre Töne, findet eine Melodie. Ihr Bruder Leonhard darf den Rhythmus dazu schlagen. Oma Gudrun kommt dazu und schmettert den Text: "Die Affen rasen durch den Wald" - alle lachen.

Die Fränkische Leuchte in Thüringen

Die Rasselbande rast durch den Wald, sammelt Kiefernzapfen, entdeckt einen Schmetterling, zieht wie wild an einer Schnur, die einen Metallspecht an einen Baum klopfen lässt. Es gibt Bereiche, in denen die Kinder klettern dürfen und und viele Informationen. Den Mädchen gefällt besonders der Glitzerpanzer eines ein grünen Laufkäfers, den sie auf einer der Schautafeln entdecken. Die Texte sind nicht zu lang und trotzdem informativ - für große und kleine Wanderer. Dazu werden Fotos aus Flora und Fauna, aber auch historische Aufnahmen aus dem Steinbruch gezeigt. Und Oma Gudrun staunt, als sie bei der Schutzhütte hinüber nach Thüringen blickt, wo die Veste Heldburg im Sonnenlicht erstrahlt. "Da siehst du, warum die ,Fränkische Leuchte' heißt."

Müde Kinder

Den Lehrpfad gibt es seit gut zehn Jahren. Jedes Jahr laufen hier mehrere Tausend Besucher, und auch die Truppe aus dem Coburger Landkreis will wiederkommen,. Dreieinhalb Stunden brauchen sie für den knapp vier Kilometer langen Weg mit den neun bzw. zehn Haltepunkten (zur Technik gibt es zwei Stationen). Ausprobiert wird alles, alle Kinder halten problemlos bis zum Ende durch, und - das Wichtigste bei einer Familienwanderung: Abends sind alle ordentlich müde.

Die digitale Route

Die Koordinaten des Weges gibt's hierim GPX-Format zum Download. Sie können zum Beispiel mit Routenplanern, Google My Maps und Wander-Apps wie Komoot oder Outdooractive genutzt werden.