Zu Rammstein und Peter Fox konnte man schunkeln, bei den Ärzten die Beine im Takt wiegen. Wirklich rockig ging es bei der Präsentation von Heinos jüngst erschienenem Album "Mit freundlichen Grüßen" am Freitagabend in Hamburg nicht zu. Der Schlagerstar präsentierte die neu gesungenen Rock-, Pop- und Punk-Hits in typischer Volksmusikmanier. Unter anderem mit dabei: "Junge" von den Ärzten, "Haus am See" von Peter Fox und "Kompliment" von den Sportfreunden Stiller. "Das sind die Volkslieder der modernen Generation", zeigte sich der 74-jährige Musiker überzeugt.

Früher habe er "Die Sonne von Mexiko" besungen, heute singe er eben "Sonne" von Rammstein. Einen wirklichen Stilwechsel sieht der Schlagerstar darin nicht. "Ich bin eben ein Musiker von der ersten Minute an", sagt Heino. Und er interpretiere die Songs so, wie es zu ihm passt.


Das überschaubare Publikum im Funkhaus des NDR feierte Heino für seine Darbietung. Jubelrufe und Applaus erfüllten den Raum, während er in altbekannter Fasson mit dunkler Sonnenbrille und blondiertem Haar auf der Bühne stand. Mit seinen 74 Jahren strotzte Heino vor Energie und brachte seine Fans ordentlich in Stimmung.
Weniger Begeisterung für sein Album erntete der Volksmusiker allerdings von den Bands der gecoverten Songs. Bereits im Vorfeld hatte das Album für Wirbel in der Musikszene gesorgt. Die "Bild"-Zeitung hatte die Reaktionen der Bands mit "Rocker-Krieg gegen Heino" betitelt. Die Bands dementierten zwar die Berichte. Laut Heino habe es aber zum Teil boshafte Kommentare gegeben.

Obwohl der 74-jährige Musiker gelassen blieb, schoss er verbal zurück. "Wir wollen es dabei belassen, dass ich etwas gemacht habe für die Jungs, die mich immer so verarschen", sagte er. Streit wolle er aber nicht. "Ich will keinen Ärger verbreiten, sondern Freude."


Zumindest der Erfolg gibt Heino recht: Das am Freitag erschienene Album schnellte bei dem Online-Versandhändler Amazon prompt nach der Veröffentlichung auf die Spitzenposition. Auch in dem Download-Portal musicload landete "Mit freundlichen Grüßen" schon auf Platz 1 der Albumcharts.

Nach der kurzen Präsentation einer Songauswahl verneigte sich Heino und bedankte sich bei seinen jubelnden Fans. Rund 50 Jahre mache er jetzt schon Musik. Wie es nach dem Ausflug in die Rock-Hits weiter gehen soll, sagte er nicht. Allerdings sei er ein großer Fan von Udo Lindenberg. "Wenn das weiter so positiv aufgenommen wird, würde ich auch was von Udo singen."


Volksmusikfans toleranter als Rockmusikfans?

Heino hält seine Fans für sehr offen. "Ich glaube, dass die, die Volksmusik mögen, auch dies hier mögen. Volksmusikfans stehen Rockmusik offener gegenüber als Rockmusikfans, die man zu Volksmusikkonzerten schleppen würde", sagte Heino der "B.Z. am Sonntag". Er glaube, seine Fans "sehen das gar nicht als Rockmusik, eher als erweitertes Programm in ihrem Leben".
Ob er mit den Songs auf Tour gehe, wisse er noch nicht. "Es gibt viele Anfragen, aber das muss ich mir erst mal überlegen. Ich bin ja jetzt noch ganz frisch in dieser Szene, wie man so schön sagt. Erst mal gehe ich mit Florian Silbereisen auf Tour, beim "Frühlingsfest der Volksmusik". Da werde ich natürlich auch ein paar Lieder von der neuen Platte singen." dpa