Eine tiefe, fast röhrende Stimme, dramatische Rhythmen - Lieder von Unheilig wabern nur so vor Melodramatik. Und zwar so heftig, dass auch noch die banalsten Floskeln klingen, als würde mit ihrer Hilfe der Weltuntergang zumindest verkündet, wenn nicht gleich als Fakt verkündet. Die neue und als Abschiedsalbum angekündigte CD "Gipfelstürmer" macht da keine Ausnahme.

"Ich zähl hinunter bis auf Eins", "Kein Augenblick ist je verloren/ Wenn er im Herzen weiterlebt" - das ist natürlich nicht neu und in dieser oder ähnlicher Form sicherlich unzählige Male besungen worden. Unheiligs Interpretationen triefen nur so von Pathos, so dass in den Konzerten, die das Abschiedsalbum im nächsten Jahr begleiten werden, noch mehr Wunderkerzen als ohnehin schon verbrannt und Fans Sturzbäche weinen werden.
Dagegen ist auch überhaupt nichts einzuwenden. Fans sind Fans und sie haben ein Recht darauf, ihre Stars zu feiern, mit ihnen zu leiden und sich mit ihnen zu freuen. "Gipfelstürmer" ist daher auch und vielleicht vor allem ein Tribut an die Fans, ein Dank für deren jahrelange Treue. Wer Unheilig liebt und nicht genug bekommen kann, wird dieses Album als wertvollen Schatz hüten und in Gefühlen ertrinken.

Wer nichts mit dem Grafen und seinen Mitstreitern anfangen kann und noch nichts von ihm gehört hat, sollte den Einstieg nicht mit diesem Album wagen. Für einen ersten Eindruck ist das "Große Freiheit" besser geeignet und zum Reinhören steht es ja bei einschlägigen Streamingdiensten zur Verfügung.

Unheilig, "Gipfelstürmer", Universal Music, ca 15 Euro