Als Josefin Schmidt dort landet, ist Mallorca noch die Sehnsuchtsinsel der Deutschen. Als die 23-Jährige aus Kronach am vergangenen Samstag nach 15 Tagen wieder abfliegt, hat sich Mallorca in ein Corona-Risikogebiet verwandelt.

Ein Gespräch über leere Straßen, disziplinierte Urlauber und verängstigte Einheimische. Wie fühlt es sich an, einem Risikogebiet entkommen zu sein?

Josefin Schmidt: Natürlich habe ich mitbekommen, dass die Infektionszahlen auf der Insel wieder steigen. Ich hatte aber dennoch nie das Gefühl, gerade in einem Risikogebiet Urlaub zu machen.

Können Sie die Entscheidung Deutschlands dann überhaupt nachvollziehen?

Nein, das kann ich nicht. Auf Mallorca haben alle sehr diszipliniert die Abstands- und Hygieneregeln eingehalten. Dabei sind die Bestimmungen viel strikter als etwa in Deutschland. Die Maske beispielsweise muss in der Öffentlichkeit immer anbehalten werden. Man darf sie nicht erst dann überstreifen, wenn man ein Geschäft betritt. Deshalb fühlte ich mich auch immer sicher auf der Insel. Überall stehen auch Spender mit Seife und Desinfektionsmittel bereit.

Und die Urlauber halten sich an die Regeln auch?

Ich kann sicherlich nicht für alle sprechen. Aber meinem Eindruck nach haben sich die Urlauber sehr diszipliniert verhalten. Mir sind zum Beispiel auch keine betrunkenen Gruppen aufgefallen, die mit Absicht gegen die Vorschriften verstoßen hätten.

Viele Fotos legen einen anderen Eindruck nahe. Sie zeigen feiernde Touristen, die auf Abstandsregeln großzügig pfeifen.

Ich kenne diese Fotos aus der Presse. Aber mit meinen eigenen Augen habe ich nichts dergleichen gesehen. Ich kann mir in dieser Hinsicht ein Urteil erlauben, weil ich recht viel auf Mallorca unterwegs gewesen bin, auch in bekannten touristischen Orten. Die Orte war dort gut besucht, aber nicht so überlaufen wie in der Vergangenheit. Gerade in Palma fiel der Unterschied ins Auge. Ich hatte manchmal das Gefühl, die Stadt für mich allein zu haben. So wenig war dort auf den Straßen los. Das bedeutet aber auch, dass man sich gut aus dem Weg gehen konnte.

Macht die Insel so überhaupt noch Spaß? Das Tragen der Masken ist bei den hohen Temperaturen lästig und auch etwas anstrengend. Davon abgesehen hat die Insel durch die gesunkenen Touristenzahlen eher gewonnen. Es gab weniger Stress und weniger Gedränge. Und es war toll, auch mal spontan und ohne Voranmeldung ein Restaurant betreten zu können. Wie reagierten die Einheimischen auf die deutsche Reisewarnung?

Dazu braucht es keine große Fantasie. Die Mallorquiner leben vom Tourismus. Die Reisewarnung ist eine Katastrophe. Viele Hotels und Restaurants stecken schon jetzt in Existenznot. Davon hat mir auch eine deutsche Auswanderin berichtet, die auf der Insel ein Café betreibt. Sie denkt darüber nach, es zu schließen und nach Deutschland zurückzukehren. Wie begegnen Sie dem Argument, dass deutsche Urlauber in diesem Sommer doch lieber an Ost- oder Nordsee fahren sollen? Nach allem, was ich weiß, sind die Strände an Nord- und Ostsee gerade sehr überlaufen. Gefühlt macht dort doch gerade halb Deutschland Urlaub. Ich habe mich auf Mallorca geschützter gefühlt als dies wahrscheinlich an einem deutschen Strand der Fall gewesen wäre.

Keine Reue? Ich habe kein schlechtes Gewissen. Haben Sie sich auf das Coronavirus bereits testen lassen? Noch am Samstagabend am Flughafen in München, gleich nach der Landung. Haben Sie schon Ihr Ergebnis? Seit heute morgen. Und? Negativ. Ich habe mich nicht mit Corona angesteckt. Das Gespräch führte Christoph Hägele.

Nach der Corona-Reisewarnung: Was tun mit dem geplanten Spanienurlaub?

Bezieht sich die Reisewarnung auf ganz Spanien?

Infolge der wieder steigenden Corona-Neuinfektionen hat das Auswärtige Amt eine Reisewarnung gegenüber Spanien ausgesprochen. Davon betroffen ist auch Mallorca. Es gibt mit den Kanarischen Inseln lediglich eine Ausnahme. Dort ist die Zahl der Corona-Neuinfektionen geringer als in den anderen Regionen Spaniens.

Ist es jetzt verboten, nach Spanien zu reisen?

Nein, das ist es nicht. "Es geht um eine Reisewarnung, kein Reiseverbot", sagt Julia Zeller, Juristin bei der Bayerischen Verbraucherzentrale (VZBV). Wer eine Pauschalreise gebucht hat, muss sich den Urlaub aber wohl aus dem Kopf schlagen. Große Anbieter wie TUI haben bereits angekündigt, ihre Mallorca-Angebote bis auf Weiteres zu stornieren. Urlauber, die dagegen selbstständig Flüge und Unterkunft gebucht haben, dürfen auch weiterhin nach Spanien reisen. "Sie müssen sich allerdings der Risiken bewusst sein", sagt Zeller. Es sei nach derzeitigem Stand beispielsweise nicht zu erwarten, dass der Bund ähnlich wie in diesem Frühjahr ein weiteres Mal gestrandete Urlauber zurückholt. Bekommen Urlauber die Kosten der Reise erstattet? Im Fall einer ausgefallenen Pauschalreise haben Urlauber Anspruch auf eine vollumfängliche Rückerstattung der Kosten. Der Anbieter kann die Umwandlung in einen Gutschein zwar anbieten, der Kunde muss dieses Angebot allerdings nicht annehmen. "Wenn der Kunde das so möchte, muss er innerhalb von 14 Tagen das komplette Geld bekommen", sagt Zeller. Und Individualtouristen? Deren Rechte gegenüber Fluggesellschaften, Hotels oder Pensionen sind schwach. "Im Grunde sind auf deren Kulanz angewiesen", sagt Julia Zeller. Die VZBV-Juristin empfiehlt, sich umgehend mit Fluggesellschaften und Vermieter in Verbindung zu setzen. Was sollte tun, wer für Herbst eine Reise gebucht hat? Dem bleibt nur das Abwarten. "Es kommt darauf an, wie sich die Infektionszahlen entwickeln", sagt Zeller. Sie empfiehlt, regelmäßig die Internetseite des Auswärtigen Amts zu besuchen und regelmäßig mit dem Reiseveranstalter den Kontakt zu suchen. Müssen Spanien-Rückkehrer in die Quarantäne? Rückkehrer aus Risikogebieten müssen für 14 Tage in die Quarantäne. Sie können diese umgehen, wenn sie sich umgehend am Flughafen auf das Virus testen lassen. Bis das Ergebnis vorliegt, müssen sie in häuslicher Quarantäne bleiben. Müssen Arbeitnehmer ihre Arbeitgeber über einen Spanienurlaub in Kenntnis setzen? Diese Frage ist rechtlich umstritten. "Einen Urlaub im Risikogebiet muss man zuvor sicherlich nicht zwingend melden", sagt Nadja Häfner-Beil. Die Arbeitsrechtlerin aus Bamberg hält es allerdings für fraglich, ob im Fall einer anschließenden Quarantäne "der Arbeitgeber bei Ausfallzeiten noch eine Entgeltfortzahlung leisten muss". ch