Aus dem Loch ragten nach Außen gebogene Stahlträger. Davor liegen herausgebrochenes Baumaterial und ein Kleidungsstück - sie zeugen von einem filmreifen Ausbruch aus der Berliner Justizvollzugsanstalt Plötzensee, der vier Häftlingen am Donnerstag gelungen ist. Die Polizei fahndete nach den Männern - bis zum späten Mittag erfolglos. Einzelheiten zu der Suche oder den Straftätern wollten die Ermittler zunächst nicht nennen. Zuerst hatte die Tageszeitung "B.Z." über den Ausbruch berichtet.


Die Männer haben für ihre Flucht ein Stück Betonmauer zwischen zwei Lüftungsspalten aus der Mauer gebrochen, wie Michael Reis von der Senatsverwaltung für Justiz sagte. Durch das Loch gelangten sie auf das Außengelände und überwanden dort noch einen Stacheldrahtzaun. Die Ausbrecher sind den Angaben zufolge zwischen 27 und 38 Jahre alt und saßen wegen Straftaten wie Diebstahl, räuberischer Erpressung und schwerer Körperverletzung hinter Gitter.

Offensichtlich entfernten sie sich von ihrem Arbeitsplatz und brachen dann das Loch in die Mauer.
Der Stacheldrahtzaun auf dem Außengelände schien intakt. Die Vier haben sich ihren Weg in die Freiheit offenbar mit Hilfe schwerer Werkzeuge gebahnt.


Die Männer arbeiteten in einer Autowerkstatt

Sie arbeiteten am Morgen in einer Autowerkstatt, die auf dem Gefängnisgelände liegt und an den fraglichen Heizungsraum grenzt. Dort gelangten sie auch an die Werkzeuge. Wie sie allerdings in den laut Anstaltsleitung üblicherweise verschlossenen Heizungsraum gelangen konnten, sei noch unklar.

Die Männer zerschlugen in einem Heizungsraum zunächst den Betonmittelpfosten einer Lüftungsöffnung an der Außenmauer mit einem schweren Hammer, wie Berlins Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) und Anstaltsleiter Uwe Meyer-Odewald am Donnerstag mitteilten. Dann zersägten sie die Stahlträger unter dem Beton mit einem Trennschleifer. Schließlich zwängten sie sich durch die enge Öffnung ins Freie und krochen unter dem Außenzaun des Gefängnisses in die Freiheit.

Der Ausbruch dauerte gerade mal drei Minuten, wie es hieß. Eine Kamera, die die Eingangspforte der Autowerkstatt überwacht, filmte nach Justizangaben die Aktion um 8.49 Uhr zufällig, weil das Bild im Hintergrund auch die Lüftungsöffnung erfasst. Gleichwohl wurde nach Angaben von Anstaltsleiter Meyer-Odewald erst gegen 9.30 Uhr Alarm ausgelöst.


Ein echter "Super-GAU"

Die CDU gab dem Senat die Schuld für den Ausbruch. Der Vorfall sei ein "Super-GAU" für Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne), urteilte die CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus. "In früheren Zeiten haben Justizsenatoren bei solchen Ereignissen ihr Amt zur Verfügung gestellt", schrieb die Fraktion. Behrendt wollte am Nachmittag bei einer Pressekonferenz über Ausbruch und Fahndung berichten.

In dem Gefängnis in Berlin-Charlottenburg sind derzeit nach Justizangaben 362 Personen inhaftiert. Es ist nicht das erste Mal, dass die Haftanstalt in die Schlagzeilen gerät. Erst im September hatte ein Gefangener dort eine Matratze in Brand gesteckt und damit einen Großeinsatz der Feuerwehr ausgelöst.

Der Gefängnisstandort hat eine düstere Vergangenheit: Die NS-Justiz richtete im Strafgefängnis Plötzensee am Rande des Geländes der heutigen JVA rund 3000 Menschen hin, darunter Beteiligte des gescheiterten Mordanschlags auf Adolf Hitler im Juli 1944. Heute erinnert eine Gedenkstelle an diese Nazi-Morde.