Für genervte Kunden sind die sozialen Medien eigentlich ein Segen. Praktisch jedes Unternehmen hat eine eigene Facebook-Seite, eine Beschwerde ist leicht verfasst. Mit der Antwort des "Kundendienstes" haben die Nörgler aber nicht gerechnet. Drei Studenten aus Nordrhein-Westfalen entnerven die Kunden mit ihren frechen Antworten. Mitbegründer Alexander Schäfer gibt einen Einblick in die tägliche Arbeit.

Die Netzgemeinde feiert euch für die Seite "Kundendienst". Steckt da eigentlich ein ausgeklügeltes Konzept dahinter?
Schäfer: Überhaupt nicht. Wir haben im Sommer 2015 eines Nachts bei einem Bierchen vier Stunden telefoniert und sind irgendwann auf die Beschwerden im Internet gekommen. Da müssen die größeren Firmen ja mehr oder weniger kompetente Kommentare über sich ergehen lassen. Für uns war schnell klar: Die Kunden könnte man mal aufs Korn nehmen.

Knapp 200 000 Fans nach einem halben Jahr. Habt ihr mit einem derartigen Erfolg gerechnet?
Nein, überhaupt nicht. Wir sind da ja mehr oder weniger reingestolpert. Nach einer Woche haben wir aber gemerkt, wie schnell sich das verbreitet. Ich erinnere mich noch, wie wir innerhalb eines Tages fast 16 000 Fans dazubekommen haben.

Wie kann man sich eure Arbeit vorstellen: Ihr durchsucht das Netz nach besonders absurden Beschwerden und überlegt euch dann die passende Antwort?
Zunächst einmal ist es gar nicht so einfach, eine passende Beschwerde zu finden. Und dann muss derjenige, der sich beschwert, auch auf uns einsteigen. Die Antworten fallen uns eigentlich immer recht spontan ein. Ich denke, das alles darf auch nicht gequält wirken. Sonst ist es nicht lustig.

Könnt ihr selber über eure Einträge lachen?
Auf jeden Fall, auch das ist wichtig. Noch lustiger sind allerdings oft die Kommentare unserer Fans. Viele sind wirklich geistreich und zum Schießen.

Die Unternehmen dürften nicht so begeistert sein, dass ihr euch als deren Kundendienst ausgebt?
Das stimmt. Viele haben uns für ihre Seite gesperrt, beispielsweise die Telekom oder die Deutsche Post. Es wird also immer schwerer, gute Anfragen zu finden. Zumal wir auch immer bekannter werden und die Kunden immer seltener auf uns reinfallen. Es gibt aber noch genug Verrückte da draußen.

Gibt es auch Firmen, die mit euren Einträge souverän umgehen?
Ja, und ich denke, das ist auch der richtige Weg. Wir wollen ihnen ja nicht schaden. Teilweise sind die Beschwerden so absurd, da muss man einfach nur frech reagieren. Wenn sich beispielsweise jemand beschwert, dass in seinem Joghurt ein Gramm zu wenig Inhalt ist, verdient er es meiner Meinung nach, veräppelt zu werden.
Die "Veräppelten" dürften nicht zu euren Fans gehören...
Die sind natürlich nicht begeistert. Da wird auch oft mit rechtlichen Konsequenzen gedroht. Gekommen ist aber noch nichts. Ich sage es mal so: Wenn ich für jede Anwalts-Drohung einen Euro bekommen hätte, müsste ich nicht mehr zur Uni gehen.

Wie lange wird es "Kundendienst" noch geben?
Wir haben noch viele Ideen. Beispielsweise haben wir geplant, einen Youtube-Kanal zu entwickeln. Wir haben uns auch mit einem Verlag geeinigt. Es wird im Sommer ein Kundendienst-Buch veröffentlicht.
Alle eure Antworten enden mit dem Satz 'Ich hoffe, ich konnte Ihnen weiterhelfen'. Das klingt fast ein bisschen höhnisch.
Nein, dieser Satz ist doch die reine Wahrheit. Wir wollen nichts anderes, als den armen Kunden da draußen weiterzuhelfen.