Erstmals nach der CSU-Pleite bei der Landtagswahl hat Parteichef Horst Seehofer einen möglichen Rücktritt angedeutet. Er sehe nicht ein, die alleinige Verantwortung für das schlechte Wahlergebnis seiner Partei tragen zu müssen.

"Noch mal mache ich einen Watschnbaum nicht. Man kann mich kritisieren, aber das zu reduzieren auf den Horst Seehofer, und der ist für alles verantwortlich, das werde ich persönlich nicht mitmachen", sagte Seehofer am Sonntag im Bayerischen Fernsehen. "Eher stelle ich mein Amt als Parteivorsitzender zur Verfügung - ich glaube, klarer kann man sich nicht ausdrücken." Die scheidende Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU) hätte bereits einen Vorschlag für eine Seehofer-Nachfolge parat.

Seit dem schlechten Abschneiden der CSU bei der bayerischen Landtagswahl mit gerade einmal 37,2 Prozent und dem Verlust der absoluten Mehrheit steht Horst Seehofer parteiintern stark unter Druck. Bei sich allein wolle er allerdings nicht du Schuld für den Wählerverlust sehen: "Das ist halt ein einfaches Geschäft: Wenn man auf einen anderen zeigen kann, muss man sich nicht mit sich selbst beschäftigen." Bereits nach der Bundestagswahl 2017 sei er im Nachhinein als Hauptschuldiger dargestellt worden: "Obwohl ich gar nicht zur Wahl stand, in keiner Wahlsendung war, auf keinem Wahlplakat, war ich schon nach der Bundestagswahl der Hauptverursacher. Jetzt wieder", sagte Seehofer. Bereits kurz nach der Landtagswahl kamen Gerüchte über einen möglichen Rücktritt Seehofers auf.

Ärger über Wahlanalysen

Er sei durchaus bereit, Verantwortung zu übernehmen, die CSU müsse aber auch strukturelle Änderungen innerhalb der Partei überdenken. "Die SPD hat immer die Köpfe ausgewechselt in den letzten Jahren, und es ist immer noch schlechter geworden, weil sie die Strukturen bei sich nicht verändert hat." Weiterhin kritisierte er: "Was mich ärgert, ist die oberflächliche Wahlanalyse, die viele anstellen." Schuld für den Wählereinbruch bei der CSU seien auch die Konkurrenz durch die Freien Wähler und der AfD.