Horst Seehofer macht das schon sehr geschickt. Dass Ausländer auf unseren gut ausgebauten Autobahnen zahlen sollen, ist eine höchst populäre Forderung, die CSU-Politiker jeden Sommer aufs Neue stellen. Weil es gleichzeitig furchtbar unpopulär wäre, auch den deutschen Autofahrern eine Mautpflicht aufzuerlegen, lavieren sie um diesen Punkt gern herum.

Meist ist dann von "anderweitigen Erleichterungen", wahrscheinlich über die Kfz-Steuer, die Rede. Das wäre aber mit der EU nicht so leicht zu machen - aus Gründen der Gleichbehandlung. Wenn daher Horst Seehofer die künftige CSU-Regierungsbeteiligung von einer Pkw-Maut abhängig macht, wird er wohl oder übel auch die deutschen Autofahrer treffen. Und gar so üppig dürften die Maut-Zahlungen der Durchreisenden auch nicht ausfallen. Denn laut ADAC-Berechnungen stellen Ausländer nur 5,2 Prozent des Pkw-Verkehrs auf deutschen Autobahnen - auch wenn die gefühlte Zahl in der Urlaubszeit sehr viel höher ist. Lukrativer ist da schon die längst eingeführte Lkw-Maut, hier liegt der Ausländeranteil bei fast einem Drittel. Und die Brummis belasten die Straßen auch deutlich mehr.

Erst einmal die Maut einzuführen ohne das vage Versprechen an deutsche Autofahrer auch einhalten zu können, würde im Endeffekt auf eine weitere Ungleichbehandlung hinauslaufen. Denn gerade in ländlichen Regionen sind viele aufs Auto und die Autobahnen angewiesen, weil der Weg zur Arbeit oft weit und nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu bewältigen ist. Sie zahlen dann den Löwenanteil der Autobahnkosten - über Maut und Steuern. Vielleicht ein etwas hoher Preis für die Genugtuung darüber, dass es auch deutsche Autobahnen nicht mehr zum Nulltarif gibt.