Wenn auch Eckhard Henscheid das deutsche Kabarett bereits vor Jahrzehnten totgesagt hat, wenn auch halblinkes Ressentimenttheater die Kleinkunstbühnen füllt und von einem willfährig amüsierwilligen Publikum eifrig beklatscht wird: Neues ist möglich.

Ungläubig reibt man sich die Augen und sperrt die Ohren auf, wenn man sieht, was Max Uthoff und Claus von Wagner in der von Grund auf renovierten ZDF-"Anstalt" veranstalten. Zwar nisten auch hier Kalauer, doch eine solche Sendung ist schließlich nicht das Seminar einer Parteistiftung.

Schon die fetzige Musik von "Kraftklub" stimmt auf fetziges Kabarett ein, am Dienstag mit den Gästen Rainald Grebe, Christian Ehring und Matthias Egersdörfer. Ehring klebt noch zu sehr an der überlebten Tradition, dafür ließen Grebe und Egersdörfer eine Schweineherde raus.

Gut, den im ordinärsten Fränkisch nölenden Egersdörfer muss man ertragen können, dafür waren die Reflexionen seiner Kollegen über die Wirksamkeit des Mediums und die astreine Beschimpfung eines "Manufactum"-Publikums, immer am Rande des Wahnsinns, vom Feinsten. Ebenso wie die Entlarvung der von recherchefaulen Medien so genannten Wirtschaftsweisen. Dass aber dies alles im verschnarchten Rentnersender ZDF gesendet werden darf - das zeigt, wie sicher im Sattel sich die Herrschenden fühlen, "Anstalt" hin oder her.