Kurz vor der Europawahl erscheint das Video "Die Zerstörung der CDU" von Youtuber Rezo und sorgt für reichlich Wirbel. Der Youtuber Rezo hätte wahrscheinlich keinen besseren Zeitpunkt für sein Kritik-Video an der CDU finden können und hat damit für heftig Furore in der Politik gesorgt. Vor fünf Tagen, am Montag, dem 20. Mai, ging das Video des 26-jährigen Youtubers Rezo online. Seitdem wurde es 7,2 Millionen Mal aufgerufen. Der Internet-Community hat der Informatiker wohl eher aus der Seele gesprochen und das sonst manchmal recht trockene Thema modern aufbereitet.

Update am 25. Mai.: Youtuber stehen hinter Rezo

Rückhalt bekommt Rezo von Kollegen aus der Youtuber-Szene. Auf dem Youtube-Kanal des 26-Jährigen tauchte am Freitag ein knapp dreiminütiges neues Video auf: "Dies ist ein offener Brief, ein Statement." Im Anschluss lesen nacheinander rund 70 andere Youtuber eine Erklärung vor, die auch als Text unter dem Video zu sehen ist.

Darin heißt es: "Wählt nicht die CDU/CSU, wählt nicht die SPD. Wählt auch keine andere Partei, die so wenig im Sinne von Logik und der Wissenschaft handelt und nach dem wissenschaftlichen Konsens mit ihrem Kurs unsere Zukunft zerstört. Und wählt schon gar nicht die AfD, die diesen Konsens sogar leugnet." Angehängt ist eine "Liste von Unterzeichnern": dazu gehören auch bekannte, reichweitenstarke Youtuber wie Julien Bam, Dagi Bee oder LeFloid.

Was bisher passiert ist:

In seinem Video heißt es, die CDU zerstöre "unser Leben und unsere Zukunft". Der Youtuber mit dem Künstlernamen "Rezo ja lol ey", wirft den Christdemokraten unter anderem vor, beim Klimawandel untätig zu sein, Politik für Reiche zu machen und "krasse Inkompetenz" beim Thema Urheberrecht und Drogenpolitik an den Tag zu legen. All seine Behauptungen belegt er mit Studien sowie Publikationen von Stiftungen und Medien.

CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak nannte die Aussagen Rezos Falschbehauptungen.

"Er macht von seinem Recht auf freie Meinungsäußerung Gebrauch. Journalismus ist das aber nicht", sagte Ziemiak dem Redaktionsnetzwerk (RND) Deutschlandam Mittwoch. Rezo tue so, als sei nur seine Meinung die richtige, sagte Ziemiak. "Populismus, Beleidigungen und falsche Vereinfachungen haben wir in den sozialen Netzwerken und in der Politik leider schon mehr als genug." Auf die Vorwürfe Ziemiaks ging Rezo zunächst nicht ein, kündigte aber an, sich zu dem Fall zu äußern.

Persönliches Gespräch statt Video

Ursprünglich hatte die CDU als Reaktion auf die kritischen Äußerungen ebenfalls ein Video mit Philipp Amthor, dem Jung-Star der Partei und Bundestagsabgeordnetem, geplant. Amthor sagte am Rande einer Veranstaltung in Rostock, die CDU wolle nicht über Videos mit dem Youtuber kommunizieren, sondern das persönliche Gespräch suchen. Zu dem überspitzt formulierten Titel "Die Zerstörung der CDU" des Videos sagt Amthor: "Uns geht es nicht darum, jemanden zu zerstören, sondern gute Argumente auszutauschen." Die Partei veröffentlichte außerdem noch ein Faktenblatt mit dem Titel "Offene Antwort an Rezo - Wie wir die Sache sehen".

Jetzt hat der Youtuber Rezo sogar eine Einladung für ein Gespräch mit der CDU bekommen:

Für eine Einladung ins Kanzleramt nach Berlin reicht das Video und die dadurch entstandene Diskussion im Netz wohl nicht. "Wir sehen dieses Video vor allem an die Parteien gerichtet", erklärte die stellvertretende Regierungssprecherin Martina Fietz am Freitag in Berlin. Bundeskanzlerin Angela Merkel habe das Video des Youtubers "zur Kenntnis genommen".

CDU reagierte zu spät

Politikberater und Blogger Martin Fuchs sieht gleich mehrere Fehler der CDU im Umgang mit dem millionenfach aufgerufenen Anti-CDU-Video. "Wenn sie den Mund gehalten hätten, hätte das Video der Partei weniger geschadet", sagte der Experte für digitale Kommunikation derDeutschen Presse-Agentur. Auch eine Einladung zum Gespräch sei zu spät ausgesprochen worden. So hätte das Thema bis nach der Europawahl kleiner gehalten werden können, meint Fuchs. Aber nicht nur das sei ein Fehler der Partei: Die habe seit Jahren verschlafen, das Internet zu verstehen und versäumte es einfach rechtzeitig Kontakt zu Influencern aufzubauen.

Politisch korrekte Sprache erreicht junge Leute nicht

Auch CDU Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer räumte Fehler im Umgang mit dem Video ein. Im Interview mit "Focus Online" am Freitag, dem 24. Mai, verteidigte die CDU-Vorsitzende die Politik ihrer Partei. "Ich gebe zu, dass wir zu lange gebraucht haben, um darauf (das Video) zu reagieren", sagte Kramp-Karrenbauer. Manchmal sei es jedoch besser, noch einmal Luft zu holen und darüber nachzudenken, welcher Ton und Stil angemessen sei.

Kramp-Karrenbauer verteidigte auch die von Rezo scharf kritisierte Klimapolitik der CDU: "Die Sicht, als hätten wir noch nie etwas für Umwelt- und Klimaschutz geleistet, ist - vorsichtig formuliert - einseitig." Zum Ton und Inhalt sagte die CDU-Chefin: "Da darf man nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen (...) Dass man mit politisch hochkorrekter Sprache junge Leute nicht erreicht, ist klar." Und dass ein 26-Jähriger klage, es sei ihm alles nicht radikal genug, gehöre zu den Vorrechten der jüngeren Generation.