Einen Euro pro Tag: Zu diesem Preis sollen die Menschen bald Busse und Bahnen im Öffentlichen Nahverkehr nutzen dürfen. Dass es so kommt, wird immer wahrscheinlicher: Am Mittwoch wurde bekannt, dass die SPD Kommunen in der schrittweisen Einführung solcher Tickets unterstützen will. Ein entsprechender Entwurf ist Teil eines 30-seitigen Papiers der SPD-Bundestagsfraktion. "Wir wollen, dass jede und jeder flächendeckend mit Bus und Bahn zu bezahlbaren Preisen, egal ob in der Großstadt oder auf dem Land, unterwegs sein kann", heißt es in einem Entwurf, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt und über den die "Süddeutsche Zeitung" berichtete.

Das 365-Euro-Ticket wird damit Teil des gemeinsamen Klimaschutzkonzepts von Union und SPD. Die Große Koalition möchte bis zum 20. September die Grundlagen für ein Klimaschutzgesetz vereinbaren. SPD-Interims-Fraktionschef Rolf Mützenich sagte zum Auftakt einer zweitägigen Fraktionsklausur: "Ich glaube, es wird auf jeden Fall etwas kommen, was den öffentlichen Nahverkehr noch attraktiver macht als bisher."

Söder prescht beim 365-Euro-Ticket vor - und muss zurückrudern

In Deutschland gibt es bereits einige Versuche, den Öffentlichen Nahverkehr als Alternative zum privaten Auto zu fördern. So hat der Verkehrsverbund Berlin zum August 2019 für die Stadt Berlin und das Land Brandenburg ein 365-Euro-Ticket für Auszubildende eingeführt. Selbiges hatte auch Markus Söder in Bayern vor: Doch das für den Herbst 2019 geplante 365-Euro-Ticket für Schüler und Auszubildende kommt nun wohl erst später.

Söder hatte 2018 angekündigt, dass ab spätestens 2030 die Jahreskarten in München, Nürnberg, Augsburg, Regensburg und Würzburg für den öffentlichen Personennahverkehr nur noch 365 Euro pro Jahr kosten sollen. Vorbild ist dabei das sogenannte Wiener Modell, hier gibt es bereits seit 2012 ein 365-Euro-Ticket.

Nürnberg als Pilotstadt?

Einige Kommunen gehen noch einen Schritt weiter: Hier sollen Teile der Bevölkerung kostenlos den Nahverkehr nutzen dürfen. In zwei deutschen Städten dürfen sogar alle Menschen umsonst mit dem Bus fahren. In Franken hat Aschaffenburg einen ähnlichen Weg gewählt: Hier dürfen die Bürger seit dem 1. Dezember 2018 Busse und Bahnen kostenlos nutzen - allerdings bisher nur am Samstag.

Auch in Nürnberg gibt es bereits Überlegungen, ein 365-Euro-Ticket einzuführen. Momentan gehört die fränkische Metropole im Nahverkehr zu den teuersten Städten Deutschlands: 8,30 Euro müssen die Menschen hier bisher für ein Tagesticket bezahlen. Die CSU-Stadtratsfraktion möchte Nürnberg deshalb zur Pilotregion machen: Ein 365-Euro-Ticket soll da nur der Anfang sein. rowa/mit dpa