Vor den Augen seiner drei kleinen Töchter soll ein 32-Jähriger seine Frau mit Schlägen und Tritten so schwer verletzt haben, dass sie elf Tage später starb. Zum Prozessauftakt vor dem Landgericht Hildesheim gestand der Angeklagte die Attacke. "Ja, dann habe ich meine Frau geschlagen, aber ich hatte nicht die Absicht, sie in der Form zu schlagen, und ich habe auch nicht den Plan gehabt, sie umzubringen", übersetzte der Dolmetscher die Worte des in Jeans und T-Shirt gekleideten Afghanen. "Meine armen Kinder!", schluchzte der Mann mehrfach und schnäuzte in ein Taschentuch.


Ermordet, weil sie sich trennte?


Die Staatsanwaltschaft wirft dem Maurer, der nie eine Schule besucht hat, heimtückischen Mord aus niedrigen Beweggründen vor. Er soll am 3. Januar in die Wohnung der Familie im niedersächsischen Grünenplan eingedrungen sein und die arglose Frau, die sich getrennt hatte, angegriffen haben. Der Vermieter, der noch versuchte einzuschreiten, habe bei dem Mann den unbedingten Willen zu töten erkannt, sagte Staatsanwalt Wolfgang Scholz. Die Familie war mit ihren heute vier, sieben und neun Jahre alten Kindern Ende 2015 aus dem Iran nach Deutschland geflüchtet. Die Mädchen werden als Nebenkläger von Anwälten vertreten. Sie sind in Obhut des Jugendamtes.

Der Angeklagte habe die Trennung nicht akzeptieren wollen und vermutet, seine Frau könnte sich einem anderen Mann zugewandt haben, sagte der Staatsanwalt. "Er trat mit beschuhten Füßen kräftig auf Gesicht, Hals und Kopf." Laut Anklage griff er zudem nach einem Hammer und einer Stange zum Öffnen einer Dachbodenluke, was der Vermieter versuchte zu verhindern. Mit dem älteren Mann lieferte sich der mutmaßliche Mörder laut Anklage einen etwa 20 Minuten dauernden erbitterten Kampf, währenddessen die Frau bewusstlos am Boden lag. Sie starb am 14. Januar in einer Klinik.


Der Vermieter Schuld an der Tat?


Den Kampf mit dem Hausbesitzer bestritt der Angeklagte. Außerdem sei der Mann Schuld daran, dass er die Kontrolle verloren habe. Der Deutsche hatte zuvor einen Mietanteil von 100 Euro von dem Angeklagten gefordert, obwohl dieser nicht mehr dort lebte. Das Sozialamt hatte die Zahlung nach dem Auszug des Mannes reduziert.

Auch hätten die Mädchen gar nicht zugeschaut, beteuerte der Angeklagte. Schon in der Vergangenheit war die Polizei zweimal wegen häuslicher Gewalt bei der Familie gewesen. Der Vater hatte nach der Trennung keinen Hausschlüssel mehr.