«Ich mische mich aber nicht ein, zuerst warten wir auf die Empfehlung unseres Ombudsmanns für wissenschaftliches Fehlverhalten», sagte Weiler dem Nachrichtenportal «Spiegel Online». «Danach sind wir als Rektoratsmitglieder gefragt, eine Prüfkommission zu beauftragen, und die kann sehr wohl eine externe sein.»

Ein bislang anonymer Netzaktivist behauptet, Lammert habe bei seiner Doktorarbeit unsauber gearbeitet. Auf Wunsch des CDU-Politikers prüft die Universität derzeit die Vorwürfe. Lammert war bislang als Honorarprofessor an der Hochschule tätig.

Der Bochumer Hochschul-Rektor warnte vor voreiligen Schlüssen. Unabhängig von der Person werde die Universität alles Mögliche tun, um klarzumachen, «dass allein wissenschaftliche Kriterien eine Rolle spielen», sagte Weiler der Tageszeitung «Die Welt». «Es ist abzuwägen, ob ein Versehen vorliegt oder eine bewusste Täuschung.»

Die Berliner Plagiats-Expertin Debora Weber-Wulff forderte ein schärferes Vorgehen gegen Abschreiber. Allein auf der Online-Prüfplattform Vroniplag seien 48 Plagiatfälle dokumentiert, darunter auch viele, deren Autoren heute an Hochschulen arbeiteten. «Da verstehe ich nicht, dass die Universitäten nicht energischer und vor allem transparenter vorgehen», sagte die Plagiats-Expertin der Berliner Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) der Nachrichtenagentur dpa.

Einige Universitäten haben ihre Anstrengungen gegen das Abschreiben allerdings verstärkt. An der Universität Bayreuth gebe es inzwischen spezielle Empfehlungen für die Betreuer von Dissertationen, sagte eine Sprecherin der dpa. Anfang 2011 hatte die Uni herausgefunden, dass die Doktorarbeit des damaligen Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) in weiten Teilen plagiiert worden war. Ein Teil der Doktoranden in Bayreuth muss inzwischen ein verpflichtendes Auftaktseminar belegen, in dem sie für gute wissenschaftliche Praxis sensibilisiert werden sollen.

Eine solche Veranstaltung besuchen an der Universität Heidelberg inzwischen bereits Studienanfänger, wie eine Sprecherin der Hochschule sagte. Außerdem sei eine campusweite Anti-Plagiatssoftware angeschafft worden. Die Universität hatte 2011 der FDP-Europapolitikerin Silvana Koch-Mehrin wegen unsauberen wissenschaftlichen Arbeitens den Doktortitel aberkannt.