Berlin
Prävention

THW-Chef warnt vor zunehmenden Krisen in Deutschland: "Wissen Sie, wie viele Leute verrecken würden?"

Ende Dezember geht THW-Präsident Albrecht Broemme in den Ruhestand. Zuvor hat der 66-Jährige noch eine eindringliche Mahnung an die Menschen in Deutschland - denn viele sind seiner Meinung nach nicht oder nur schlecht auf drohende Krisensituationen vorbereitet.
Der Präsident des Technischen Hilfswerks (THW) Albrecht Broemme verabschiedet sich demnächst in den Ruhestand. Für einen möglichen Ernstfall in Deutschland hat der 66-Jährige vorgesorgt - ganz im Gegensatz zu den meisten Menschen in Deutschland. Foto: Paul Zinken/dpa

Der scheidende Präsident des Technischen Hilfswerks, Albrecht Broemme, hat für einen möglichen Blackout oder Krisenfall in Deutschland bestens vorgesorgt.

"Der typische Katastrophenschützer ist auch zuhause anders ausgerüstet", sagte der THW-Chef kurz vor seinem Ruhestand Ende Dezember der Deutschen Presse-Agentur. "Man kann über die Bevorratung durch Wasser reden. Aber ich habe zuhause auch meinen Weinkeller, ergänzt durch Whiskey und Gin, so dass ich auch längere Durststrecken durchhalten kann." Außerdem finden sich Pumpernickel und Rindfleisch in Dosen, allerlei Obst und Gemüse in Gläsern sowie Gaskocher und Kerzen in seiner Vorratskammer.

THW-Chef sieht bei Prävention große Lücken in der Gesellschaft

"Prävention ist etwas, wo ich große Lücken sehe in Wirtschaft und Gesellschaft. Alle müssten das anders machen", sagte Broemme. Sowohl in Großstädten als auch auf dem Land hapere es oft an nachbarschaftlicher Hilfe. "Die Leute kennen sich nicht. Wissen Sie, wie viele Leute in Ihrem Umkreis bei einem Stromausfall verrecken würden, weil sie auf Heimdialyse angewiesen sind?" Außerdem rät der 66-Jährige Privatleuten, Wasser, Kerzen und Konserven für rund zehn Tage einzulagern.

Albrecht Broemme sicher: Krisensituationen in Deutschland werden zunehmen

Selbst viele Internetunternehmen hätten nicht vorgesorgt für den Fall eines längeren Stromausfalls. Dass Krisensituationen - etwa bedingt durch den Klimawandel - zunehmen werden, hält der Krisen-Profi für ausgemacht: "Davon gehe ich aus. Da muss ich kein Prophet sein."

Broemme leitete das Technische Hilfswerk seit 2006, zuvor war er Chef der Berliner Feuerwehr. Ende Dezember verabschiedet sich der 66-Jährige in den Ruhestand und übergibt das Amt seinem Vize. Organisationen wie das THW oder die Freiwillige Feuerwehr sind auf Ehrenamtliche angewiesen.

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Obwohl es eine große Bereitschaft zum Engagement gebe, sei es schwieriger geworden, Leute langfristig zu binden. "Wir müssen auch bereit sein, loszulassen. Wir müssen akzeptieren, dass jemand sagt: Ich war gerne dabei, habe aber die nächsten vier, fünf Jahre keine Zeit", sagte Broemme. "Früher, wenn einer weg war, das war ein "Verräter" - eklig, weg damit. Das können wir uns heute nicht mehr leisten."