Ehemaliger Spieler von s.Oliver Würzburg wegen Teilnahme an Corona-Demo gekündigt: Der 30 Jahre alte Basketballer Joshiko Saibou hatte am Wochenende an einer Großdemonstration gegen die Corona-Maßnahmen in Berlin teilgenommen. Sein derzeitiger Arbeitgeber, die Telekom Baskets Bonn, hat daraufhin den Vertrag mit dem Profisportler aufgelöst: Er stelle ein "permanentes Infektionsrisiko" für die Mannschaft dar.

Die Bonner hatten Saibou am Dienstag (04.08.2020) wegen "Verstößen gegen Vorgaben des laufenden Arbeitsvertrags als Profisportler" fristlos gekündigt. Saibou habe laut Vereinsmitteilung "wiederholt auf Social-Media-Kanälen seine Haltung zur Pandemie oder zum Virus an sich geäußert und am vergangenen Wochenende bei einer Großdemonstration auch praktiziert, indem er vorsätzlich gegen die bekannten Schutzregeln verstieß."

Telekom Baskets Bonn kündigen Spieler Saibou nach Teilnahme an Corona-Demo

Vom ehemaligen Point Guard von s.Oliver Würzburg und dessen Freundin, der deutschen Leichtathletin Alexandra Wester, waren in den sozialen Netzwerken Fotos von ihrer Teilnahme an der Demonstration gegen die staatlichen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie in Berlin zu sehen. Saibou hat seine Kündigung durch die Telekom Baskets Bonn scharf kritisiert.

"Wenn ich eine polarisierende Meinung habe, ist Gegenwind verständlicherweise vorprogrammiert. Daraufhin jedoch meinen Job zu verlieren, ist totalitär und ein Schlag ins Gesicht der Meinungsfreiheit", schrieb der Nationalspieler am Dienstagabend auf Instagram: "Ich habe immer geglaubt, bei den @telekombaskets steht Toleranz an oberster Stelle, aber jetzt wird mir hiermit das Gegenteil bewiesen." Er sei Basketballer, "aber in erster Linie bin ich Mensch."

Wolfgang Wiedlich, Geschäftsführer der BonBas GmbH, wurde mit den Worten zitiert: "Die Vereine der BBL arbeiten gerade akribisch an Hygienekonzepten für die Zuschauer in der nächsten Saison und an speziellen Arbeitsschutzrichtlinien für die Aktiven. Deshalb können wir ein permanentes Infektionsrisiko, wie es der Spieler Saibou darstellt, weder gegenüber seinen Arbeitskollegen in unserem Team noch gegenüber anderen BBL-Teams im Wettkampf verantworten."

"Wirklich heuchlerisch": Leichtathletin Wester kritisiert Entscheidung von Telekom Baskets

Alexandra Wester verteidigte ihren Freund in den sozialen Medien und kritisierte Wiedlichs Begründung heftig. "Sie versuchen sich an irgendeiner Art Körperverletzung aufzuhängen, weil er auf einem Foto keine Maske getragen hat", sagte die Olympia-Teilnehmerin von 2016 in einem am Mittwoch veröffentlichten Video auf Instagram. "Wir haben sehr bewusst darauf geachtet, niemanden bei der Demo in Gefahr zu bringen und erst recht nicht seine Teamkollegen, weil die Telekom Baskets im Moment gar nicht im Team spielen oder trainieren. Das hat absolut keine Grundlage und ist wirklich heuchlerisch."

Zuletzt hatte die 26-Jährige in einem auf Instagram veröffentlichten Video beklagt, durch die Corona-Maßnahmen ihrer Freiheit beraubt zu werden. Zudem sprach sie in dem Beitrag von einem Impfzwang für die Bevölkerung oder von Ärzten und Anwälten, die die Menschenrechte verteidigen und dafür in Gefängnispsychiatrien eingesperrt würden. Auch Saibou hatte unter dem Hashtag #AppellandenVerstand ein Video auf Instagram gestellt, in dem er seine Follower mit Bezug auf die Corona-Beschränkungen provoziert.

Wester drohen bisher noch keine beruflichen Konsequenzen für ihre Äußerungen oder die Teilnahme an der Demonstration. Der Deutsche Leichtathletik-Verband hatte bereits mitgeteilt, zurzeit keine Maßnahmen zu ergreifen. Saibou versucht nun gegen seine Kündigung vorzugehen. Der Verein Athleten Deutschland beschäftigt sich mit dem Fall. "Er hat Kontakt zu uns aufgenommen. Wir sind dabei, das zu überprüfen, wollen uns aber erst einmal einen Überblick über den Fall verschaffen", sagte Geschäftsführer Johannes Herber am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur.

Auswirkungen auf seinen Status als Nationalspieler hat seine Kündigung vorerst nicht. "Eine Nominierung von Joshiko Saibou ist Sache des Bundestrainers. Es wird definitiv ein klärendes Gespräch geben müssen", sagte der Präsident des Deutschen Basketball Bundes (DBB) Ingo Weiss der Deutschen Presse-Agentur. Laut Weiss hatte es bereits vor einigen Wochen ein Gespräch mit dem Profi gegeben, als seine Ansichten zur Corona-Pandemie erstmals hochkamen. Der Verband distanziert sich zu Saibous Meinung. Weiss betonte, er habe ihm gesagt, dass er seine Meinung akzeptiere, aber nicht teile.