Das geht aus dem neuen Netzbedarfplan hervor, den die vier Übertragungsnetzbetreiber am Dienstag Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bei einem Besuch der Bundesnetzagentur in Bonn überreichten. Insgesamt rechnen die Netzbetreiber bis 2022 mit Kosten von etwa 20 Milliarden Euro.

Merkel hält ungeachtet aller Probleme und Zweifel am vorgesehenen Zeitplan für den Atomausstieg fest. «Die Energiewende, so wie wir sie vor einem Jahr beschlossen haben, ist machbar.» Es bleibe beim Ausstieg aus der Atomkraft bis zum Jahr 2022. Über Pfingsten waren angesichts des schleppenden Netz- und Kraftwerksausbaus sowie drohender Strompreis-Erhöhungen auch in der schwarz-gelben Koalition Zweifel an der Realisierbarkeit der Energiewende laut geworden.

Merkel hatte das Thema zuletzt immer mehr zur Chefsache gemacht. In regelmäßigen Treffen mit den 16 Ministerpräsidenten will sie nun Probleme beim Atomausstieg und der Energiewende identifizieren. Merkel gab sich zuversichtlich, dass mit sich beschleunigenden Genehmigungsprozessen manche derzeit beklagten Rückstände beim Netzausbau noch aufgeholt werden können.

Den ihr in Bonn von den vier Netzbetreibern vorgelegten nationalen Netzentwicklungsplan bezeichnete die Kanzlerin als ganz wichtige Etappe. «Wir nähern uns einen ganz großen Schritt den Dingen, die im Rahmen der gesamten Planung bis 2022 geleistet werden müssen», sagte sie.

Die Energiewende sei eine Herkulesaufgabe, sagte der Chef des Netzbetreibers Tennet, Martin Fuchs, bei der Übergabe des Netzentwicklungsplanes an Merkel, Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) und Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler. «Aber wir sagen von unserer Seite: Deutschland kann es schaffen.» Die Energiewende sei jedoch kein Selbstläufer. Damit sie gelinge, sei der Schulterschluss aller Beteiligten notwendig.

Der Netzentwicklungsplan berücksichtige insbesondere den Ausbau der erneuerbaren Energien, sagte Fuchs. Über die Hälfte der im Plan definierten Maßnahmen seien in bestehenden Trassen vorgesehen. Hinzu kämen rund 1700 Kilometer neue Trassen für Drehstromverbindungen. Erstmals in dieser Größenordnung in Europa seien zudem 2100 Kilometer Hochspannungsleitungen in Gleichstromtechnik geplant - insgesamt also 3800 Kilometer. Die Gleichstromtechnik ist sinnvoll, um über weite Strecken Strom von Nord nach Süd zu übertragen.

Weitere Einzelheiten des Netzentwicklungsplans wollen die Netzbetreiber an diesem Mittwoch in Berlin bekanntgeben. Bei einem Besuch der Netzsicherheitszentrale des Übertragungsnetzbetreibers Amprion in Pulheim bei Köln wies die Kanzlerin nochmals darauf hin, dass es wichtig sei, verlässlich Strom zu haben: «Wir brauchen gute Netze, die die Fluktuation der Angebote aufnehmen können.» Amprion, nach eigenen Angaben größter deutscher Betreiber von Höchstspannungsleitungen, kündigte Investitionen in Höhe von 10 Milliarden Euro in den Netzausbau an.

Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg, erinnerte daran, dass es nicht nur um rund tausende Kilometer an neuen Stromautobahn gehen dürfe. Der Strom müsse ja auch verteilt werden. Dabei gehe er von einem Verteilnetz von 198 000 Kilometern aus, das auch noch gebaut werden müsse. Im Deutschlandfunk schlug er zudem eine Straffung von Gerichtsverfahren vor, um ordnungsrechtlich schneller voranzukommen.