"Ich kann eine Hungersnot nicht mit Kochrezepten kurieren", sagte Bernd Meurer, Präsident des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste am Dienstag in Berlin. Er ist enttäuscht über den Koalitionsvertrag von Union und SPD. Der gravierende Personalmangel in der Pflege werde noch zunehmen. Wie die Politik dem begegnen wolle, stehe nicht in der Vereinbarung, bemängelte Meurer. 8.000 zusätzliche Stellen in den Pflegeheimen seien zu begrüßen, würden den enormen Problemen in der Praxis aber nicht gerecht. Einmütig forderten die privaten Anbieter und die Bundesarbeitsgemeinschaft der Wohlfahrtsverbände stärkere Anstrengungen für mehr Pflegepersonal.

Union und SPD wollen aus Mitteln der Krankenkassen 8.000 zusätzliche Stellen in den Pflegeheimen finanzieren. Das ist umgerechnet etwa eine halbe Stelle pro stationärer Pflegeeinrichtung. Meurer forderte bessere Personalschlüssel, die vollständige Abschaffung des Schulgelds an Pflegeschulen und eine organisierte Anwerbung von Pflegekräften im Ausland. Für die Personalschlüssel sind die Bundesländer zuständig.

Der Vizepräsident des Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege, Rolf Rosenbrock, erklärte, es führe kein Weg um eine weitere Erhöhung der Pflegeversicherungsbeiträge herum. Sie waren bereits in der vorigen Legislaturperiode um 0,5 Prozentpunkte und damit fast ein Drittel erhöht worden. Rosenbrock sagte, der Pflege fehlten aktuell drei Milliarden Euro, was einer Erhöhung der Beiträge um weitere 0,3 Prozentpunkte gleichkäme. Es müssten mehr Pflegekräfte gewonnen, die Teilzeitquote gesenkt und die Pflegekräfte in der Altenpflege besser bezahlt werden.