Die Zahl der Corona-Neuinfektionen in Deutschland ist aktuell sehr bedenklich. Regierungen, Gesundheitsämter und Co. halten die Menschen dazu an, sich impfen zu lassen. Dabei geht es nicht mehr nur um Erstimpfungen, sondern vor allem auch um Auffrischungsimpfungen. Viele Geimpfte befürchten, nicht mehr ausreichend gegen COVID-19 geschützt zu sein. Schafft eine Boosterimpfung Abhilfe? Und welche Impfstoffkombination empfehlen Experten bei einer Kreuzimpfung?

Studien zeigen, dass der Impfschutz durch Booster- und Kreuzimpfungen deutlich erhöht wird. Aus diesem Grund empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) allen ab 18 Jahren eine Auffrischungsimpfung. Diese Impfung soll nach Aussage der Internetseite des Robert-Koch-Instituts „in der Regel im Abstand von 6 Monaten zur letzten Impfstoffdosis der Grundimmunisierung erfolgen“. Eine Verkürzung des Impfabstandes auf 5 Monate könne im Einzelfall - oder wenn genügend Kapazitäten vorhanden sind - erwogen werden.

Bestseller: Corona-Selbsttests bei Amazon ansehen

Bei der Auffrischungsimpfung sollte stets ein mRNA-Impfstoff verwendet werden, so die Stiko. Somit sollen auch Menschen, die zuvor mit den Vektor-Vakzinen von Astrazeneca oder Johnson&Johnson geimpft wurden, zur Auffrischung des Schutzes nun den Wirkstoff von Moderna oder Biontech erhalten. Bereits im Juli hatte die Stiko diese Empfehlung ausgesprochen.  Nachfolgende Studien hatten gezeigt, dass der Schutz nach der Kombination der Impfstoffe noch höher war als nach einer zweifachen Impfung mit dem Wirkstoff von Astrazeneca. Wer bereits die ersten Male einen der mRNA-Impfstoffe erhalten hat, soll laut Stiko aber wieder mit dem gleichen Wirkstoff geimpft werden. Doch streng ist diese Empfehlung nicht. Sollte der entsprechende Impfstoff nicht verfügbar sein, könne auch auf den jeweils anderen mRNA-Impfstoff umgestellt werden.

Unter anderem zum Thema Impfung und Impfpflicht werden auch die Minister bei der Ministerpräsidentenkonferenz am Donnerstag, 2. Dezember 2021, beraten. Hier erfährst du im Live-Ticker, alles rund um die Beschlüsse beim Corona-Gipfel. 

Ausnahme: Unter 30-Jährige sollen grundsätzlich Biontech zum Auffrischen bekommen 

Eine Besonderheit gilt dabei für unter 30-Jährige: Hier empfiehlt die Stiko die Auffrischungsimpfung grundsätzlich mit dem Impfstoff von Biontech. Der Grund: Nach der Impfung mit dem Vakzin von Moderna war besonders bei jungen Männern ein leicht erhöhtes Risiko für eine Herzmuskelentzündung beobachtet worden.

Für viele Menschen empfiehlt die Stiko also bereits die Kombination verschiedener Impfstoffe. Und erste wissenschaftliche Ergebnisse passen zu früheren Beobachtungen: Die Kombination von verschiedenen Covid-19-Impfstoffen scheint auch bei den Auffrischungsimpfungen eine starke Immunantwort hervorzurufen.

Leif Erik Sander, Immunologe an der Charité Berlin, sagte dazu bei der Bundespressekonferenz: "Man kann einen anderen Impfstoff nehmen für die Auffrischung. Das funktioniert genauso gut. Ob man Moderna oder BioNTech bekommt, ist da im Grunde genommen egal." 

Welche Impfstoffkombination ist die wirkungsvollste? 

Eine Gruppe von Wissenschaftler ist dieser Frage auf den Grund gegangen und hat die Impfwirkungen von fünf Impfschemata direkt miteinander verglichen. Also sprich die "homologen" Impfungen - bei denen jeweils zweimal  Biontech, Moderna oder AstraZeneca verimpft wurde. Und die beiden "heterologen" Impfschemata: AstraZeneca-BioNTech/Pfizer, AstraZeneca-Moderna. 

In einer Studie, die bei Researchsquare erschien, präsentieren die Forscher ihr Ergebnis. "Die heterologe Kombination aus Astrazeneca und Moderna hat die deutlichste Immunantwort aufgebaut, gefolgt von der heterologen Kombination AstraZeneca-BioNTech/Pfizer. Danach folgt die doppelte Moderna-Impfung, die derjenigen mit BioNTech/Pfizer etwas überlegen ist. Die homologe Kombination aus einer zweifachen AstraZeneca-Impfung erzielte laut den Fachleuten insgesamt die schwächste Wirkung der fünf verglichenen", sagt Martina Sester, Professorin für Transplantations- und Infektionsimmunologie an der Universität des Saarlandes. 

Auch wenn medizinisch nichts gegen eine Kreuzimpfung spricht, ist der kurzfristige Wechsel der Impfstoffe für die Hausärzte schwierig. Laut dem Deutschen Hausärzteverband ergeben sich in den Hausarztpraxen zwei Probleme: Zum einen müssen Patienten, die bei der Erst- und Zweitimpfung den Wirkstoff von Biontech bekommen haben, ein weiteres Mal aufgeklärt werden, wenn sie nun die Boosterimpfung mit Moderna bekommen sollen. "Es ist ein anderer Impfstoff, was Erklärungsbedarf mit sich bringt", sagt Manfred King vom Hausärzteverband Baden-Württemberg.  Das koste deutlich mehr Zeit, als bei der Terminvergabe eingerechnet wurde.

Handhabung der Impfstoffe sehr unterschiedlich 

Außerdem unterscheidet sich die Handhabung der Impfstoffe: Während eine Biontech-Ampulle Impfstoff für sechs Patienten enthält, reicht eine Moderna-Ampulle bei der Auffrischungsimpfung für 20 Personen. Das liegt auch daran, dass der Moderna Impfstoff bei der Boosterimpfung nur mit halber Dosierung gespritzt wird. Nach Anbruch einer Ampulle müssen alle Dosen zügig verimpft werden. Dementsprechend müssen die Hausarztpraxen umplanen und ihre Patienten nicht mehr in Sechsergruppen, sondern in Gruppen von 20 einbestellen - dies sei ein kaum leistbarer organisatorischer Mehraufwand, so der Deutsche Hausärzteverband. Denn wie Barbara Römer vom Hausärzteverband Rheinland-Pfalz erklärte, sind viele Impftermine schon lange im Voraus vereinbart worden.

Viele Menschen haben die Boosterimpfung bereits erhalten. Welche Nebenwirkungen bei der dritten Impfung beobachtet werden konnten, erfährst du hier.

*Hinweis: In der Redaktion sind wir immer auf der Suche nach nützlichen Produkten für unsere Leser. Es handelt sich bei den in diesem Artikel bereitgestellten und mit einem Einkaufswagen-Symbol beziehungsweise einem Sternchen gekennzeichneten Links um sogenannte Affiliate-Links/Werbelinks. Wenn du auf einen dieser Links klickst bzw. darüber einkaufst, bekommen wir eine Provision vom Händler. Für dich ändert sich dadurch nichts am Preis. Unsere redaktionelle Berichterstattung ist grundsätzlich unabhängig vom Bestehen oder der Höhe einer Provision.