Sorge um Bundeskanzlerin Angela Merkel: Innerhalb weniger Tage hat sie einen zweiten heftigen Zitteranfall bei einem öffentlichen Auftritt erlitten.

Während der Ernennung der neuen Justizministerin Christine Lambrecht (SPD) am Donnerstag durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier fing die Kanzlerin im Schloss Bellevue - neben dem Staatsoberhaupt stehend - wieder an, am ganzen Körper zu zittern.

Zwischendurch ließ das Zittern etwas nach. Als sie sich anschließend bewegte, wurde es besser, wie auf einem Video eines dpa-Fotografen zu sehen ist.

Am Dienstag vergangener Woche hatte Merkel bei einem Empfang des neuen ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj ebenfalls erheblich gezittert. Während sie gemeinsam mit Selenskyj auf das Abschreiten der Ehrenformation der Bundeswehr wartete, begannen ihre Beine und ihr Körper heftig zu zittern. Als sie mit dem Präsidenten dann die Formation abschritt, hatte sich das sichtbar wieder gelegt. Merkel erklärte später, sie habe an dem heißen Tag zu wenig getrunken.

Am Donnerstagmorgen war es in Berlin allerdings nach mehreren Hitzetagen kühl. Und auch im Schloss Bellevue war es nicht heiß. Merkel zitterte fast zwei Minuten lang, legte immer wieder die Arme vor dem Körper übereinander, offenbar um nicht die Kontrolle zu verlieren.

Ein ihr dargebotenes Glas Wasser lehnte sie ab. Wollte sie nur nicht Wasser trinkend von den Kameras aufgenommen werden? Oder ist das ein Hinweis, dass nicht Flüssigkeitsmangel ein Grund für das Zittern ist? Jedenfalls hielten sich Ärzte, die beim Anfall vergangene Woche noch bereit waren, sich zu den möglichen Ursachen zu äußern, mit Prognosen zurück: Zu viel Spekulation, hieß es.

«Stuttgarter Zeitung» und «Stuttgarter Nachrichten» (Freitag) zitierten Regierungskreise, wonach Merkels erneuter Zitteranfall psychologisch bedingt gewesen sei. Es sei kein gesundheitliches Problem, sondern Kopfsache. «Die Erinnerung an den Vorfall in der letzten Woche führte zu der Situation heute, also ein psychologisch-verarbeitender Prozess.»

Merkel verfolgte anschließend im Bundestag Lambrechts Vereidigung. Kurze Zeit später verließ sie jedoch den Bundestag wieder. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte auf Anfrage: «Der Bundeskanzlerin geht es gut.» Es laufe alles so ab wie geplant. Sie flog denn auch wenige Stunden nach ihrem neuerlichen Zitteranfall zum G20-Gipfel der führenden Industrienationen im japanischen Osaka.

An diesem Wochenende steht die Kanzlerin nun zusätzlich unter Zeitdruck, weil sie schon am Sonntagabend zu einem Sondergipfel der EU zur Besetzung der europäischen Spitzenposten in Brüssel sein muss. Allein diese Reisetätigkeit mit ihren Klima- und Zeitunterschieden kann einen Einblick vermitteln, unter welchem zeitlichen, körperlichen und psychischen Druck die Kanzlerin seit ihrem Amtsantritt 2005 steht. Immer wieder wurde Merkels hohe Belastbarkeit und Ausdauer beschrieben.

Ein Regierungssprecher wollte sich zur medizinischen Versorgung der Kanzlerin grundsätzlich nicht äußern. Bei «größeren Auslandsreisen» sei allerdings «ein Arzt des Auswärtigen Amtes Teil der Delegation». Beim Bundespräsidenten ist es ähnlich geregelt.

Anders als dem US-Präsidenten stehen hohen Politikern in Deutschland keine Leibärzte zur Verfügung. Die medizinische Betreuung dürfte gut sichergestellt sein, sind doch vom Kanzleramt aus Charité und Bundeswehrkrankenhaus quasi um die Ecke. Man kann grundsätzlich annehmen, dass die ärztliche Versorgung der Kanzlerin in Deutschland fast so ähnlich aussieht wie die eines Normalbürgers mit Hausarzt und Fachärzten. Es trifft sich zudem gut, dass Kanzleramtschef Helge Braun gelernter Anästhesist und Intensivmediziner ist.