Fleisch und Wurstwaren könnten in Deutschland bald teurer werden. Immer mehr große Fleisch- und Wurstwarenhersteller fordern angesichts der Auswirkungen des Ukraine-Krieges vom Einzelhandel Preiserhöhungen.

Deutschlands zweitgrößter Fleischverarbeiter Vion hatte bereits am Freitag (11. März 2022) mitgeteilt: "Insbesondere aufgrund der anhaltend hohen und weiter steigenden Energiekosten bei der Strom-, Gas- und Treibstoffversorgung in den Bereichen der Produktion und Lebensmittellogistik sind wir schlichtweg gezwungen, für alle Lieferungen an unsere Kunden von kommender Woche an auf den Rechnungen einen Zuschlag in Höhe von 5,2 ct/kg (netto) zu erheben."

Produzenten schlagen Alarm: Preise für Fleisch steigen 

Auch die Nummer 3 unter Deutschlands Fleischverarbeitern, Westfleisch, klagte in dieser Woche bereits, dass im Zuge des Kriegs in der Ukraine die Rohstoffpreise in nie gekannter Größenordnung angezogen hätten. Zuvor hatten die "Lebensmittel Zeitung" und das "Westfalen-Blatt" über die Alarmrufe der Branche berichtet.Westfleisch erhebt seit Montag (14. März 2022) ebenfalls einen "Energiezuschlag", wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) berichtet. Schweinefleisch wird pro Kilogramm um 5,8 Cent teurer, Rindfleisch um 6,9 Cent pro Kilogramm. Bald werden auch Kunden beim Einkaufen die Preiserhöhung zu spüren bekommen.

"Die Verfügbarkeit wird auch in Zukunft gegeben sein, aber zu einem anderen Preisniveau", so Hubert Kelliger, Vertriebschef von Westfleisch. Die Fleischproduzenten seien bereits mit dem Handel "intensiv im Gespräch". Die Absprachen würden wegen der Unsicherheiten durch den Ukraine-Krieg in kürzeren Abständen stattfinden als sonst.

Fast alle Branchengrößen schlagen Alarm. Der zweitgrößte deutsche Wursthersteller The Family Butchers (TFB) klagte in einer Anzeige im Branchenfachblatt "Lebensmittel Zeitung", der Umbruch in der Branche und die weltpolitischen Ereignisse führten zu einer Kostenexplosion bei den deutschen Wurst- und Schinkenproduzenten. Dies sei für viele Betriebe existenzbedrohend. Diese Herausforderung könnten Handel und Hersteller nur gemeinsam bewältigen. Notwendig sei ein faires Miteinander. "Dies gilt insbesondere, wenn es um Preisanpassungen geht, die notwendig sind, um als Erzeuger und Produzent die Kostenkrise überstehen zu können", betonte das Unternehmen.

Tiere, Futter, Logistik: Lieferkette wird insgesamt teurer

Marktführer Tönnies erklärte, schon die vergangenen Monate seien wegen der Corona-Krise und anderer Probleme nicht einfach gewesen, doch führe "der Krieg in der Ukraine mit all seinen Folgen sowie der parallel explodierende Schweinepreis zu existenzbedrohenden Szenarien in der Fleischwirtschaft".

Tönnies verwies unter anderem darauf, dass die Preise auf dem Schweinefleischmarkt innerhalb von drei Wochen um über 45 Prozent gestiegen seien. Allein die Kosten für die Tiere sind stark gestiegen: Der Schweinepreis lag in den vergangenen Monaten bei 1,20 Euro pro Kilogramm, was bereits die Existenz viele Bauern bedrohte. Innerhalb eines Monats stieg er nun sogar auf 1,75 Euro.

Der Rindfleischpreis befinde sich laut Tönnies sogar auf einem Allzeithoch - mit steigender Tendenz. Auf dem Geflügelmarkt fehle viel Hähnchenbrustfilet aus der Ukraine. Hinzukämen explodierende Preise bei Energie, Futtermitteln und in der Logistik.

Auch vegetarische Produkte könnten bald mehr kosten

In einem Brief an seine Kunden erklärte Tönnies, zahlreiche Lieferanten würden "höhere Gewalt" melden, etwa in der Belieferung von Gas, bei Senfsaat und Senfmehl sowie der Beschaffung von Frittierfetten oder Paniermehl. Auch die einzelnen Verbraucher merken in den Supermärkten, wie Speiseöle oder Mehl teurer werden und öfters ausverkauft sind - für die großen Betriebe zeigt sich diese Folge des Krieges auf einer größeren Skala.

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Doch nicht nur Fleisch wird teurer: Das Unternehmen Rügenwalder Mühle hat gegenüber der FAZ angegeben, dass auch seine vegetarische Sparte von den aktuellen Entwicklungen betroffen sei. Die Wurstersatz-Produkte werden unter anderem mit Weizen, Sonnenblumen- oder Rapsöl hergestellt. Rügenwalder Mühle würde zwar hauptsächliche Weizen aus Deutschland beziehen, durch die Verlagerung der Nachfrage auf andere Märkte würde jedoch der gesamte Weizenmarkt unter Druck geraten, erklärte eine Sprecherin der Zeitung. Von einer konkreten Preiserhöhung spricht das Unternehmen noch nicht, die Preissituation müsse aber "kontinuierlich" geprüft werden.

Schon Anfang März warnten die Landwirtschaftsminister von Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Bayern, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, dass die Agrarbetriebe unter der Verknappung und dem Preisanstieg bei Mineraldünger und Treibstoffen litten. Die Landwirte müssten die höheren Kosten an die Abnehmer und damit letztlich an die Verbraucher weiterreichen können. Wie stark die Kosten in den Supermärkten steigen, kann aktuell aber noch nicht vorausgesagt werden.

Zum Weiterlesen: Aldi, Lidl, Rewe und Co. rationieren Lebensmittel: Supermärkte machen Ernst - Produkte werden knapper

mit dpa

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