Knapp drei Wochen nach seiner Rückkehr aus einer Auszeit hat der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki am Montag seinen ersten öffentlichen Auftritt absolviert.

Dabei bediente der Erzbischof einen großen Bagger und schaufelte Sand weg. Außerdem vollzog er einen symbolischen ersten Spatenstich. Mit einer Schaufel in der Hand warnte er die anwesenden Fotografen und Journalisten scherzhaft, sich vor dem umherfliegenden Sand in Acht zu nehmen: «Ich will's mir mit Ihnen nicht noch mehr verderben!» Auf dem Gelände im Stadtteil Köln-Kalk, wo viele Menschen mit Migrationshintergrund leben, baut das Erzbistum Köln einen Bildungscampus für Kinder und Jugendliche.

Bei dem Termin mit dabei war der aufgrund seines sozialen Engagements hoch angesehene Kölner Pfarrer Franz Meurer. Der 70-Jährige sagte der Deutschen Presse-Agentur über Woelki: «Wenn der kapiert, dass er einer von uns ist, dann ist alles gut. Aber wenn man meint, man wär was extra als Kardinal, als Bischof oder als Priester - das ist alles Quatsch.» Zudem sei wichtig, dass die Kirche demokratischer werde. An der Basis sei das aber auch längst Realität, sagte Meurer: «Wenn ich den Leuten hier sagen würde "Ich bin der Herr Pastor", dann würden die den Arzt rufen!»

Zurück aus monatelanger Pause

Woelki war am 2. März aus einer fünfmonatigen Auszeit zurückgekehrt. Zuvor hatte er dem Papst seinen Rücktritt angeboten. Franziskus hat jedoch verfügt, dass Woelki zunächst einmal seine Arbeit wieder aufnehmen solle. Später werde er dann über das Rücktrittsangebot entscheiden. Ursprünglich hatte Woelki geplant, am Tag seiner Rückkehr eine Messe im Kölner Dom zu zelebrieren, doch dann entschied er sich für einen «stillen Beginn», wie er mitteilte.

Das Erzbistum Köln befindet sich in einer Krise, seit Woelki 2020 entschieden hatte, ein Gutachten über den Umgang von Bistumsverantwortlichen mit Fällen von sexuellem Kindesmissbrauch zunächst nicht zu veröffentlichen. Er führte rechtliche Gründe dafür an und gab ein neues Gutachten in Auftrag. Im Zuge dieser Entscheidung kam es zu einer immer stärkeren Entfremdung zwischen dem Kardinal und den wichtigsten Gremien des Erzbistums.

Der Bonner Stadtdechant Wolfgang Picken sieht den derzeitigen Schwebezustand kritisch. «Es ist unverständlich, dass der Vatikan eine klare Entscheidung über Kardinal Woelki vermieden hat», schrieb Picken vor einigen Tagen in einem Beitrag für die «Welt». «So geht die Hängepartie weiter.» Wie unter dieser Voraussetzung ein Neuanfang gelingen solle, sei unklar.