Der Corona-Experte Clemens Wendtner hat die Zurückhaltung der Ständigen Impfkommission (Stiko) im Fall der Impfung von Jugendlichen kritisiert. Kinder seien bislang nicht ausreichend geschützt, sagte der Münchner Mediziner der Augsburger Allgemeinen (Donnerstag).

"Daher ist es aus meiner Sicht so wichtig, zumindest die Jugendlichen ab zwölf Jahren zu impfen - ich persönlich kann es schwer nachvollziehen, dass sich die Stiko in dieser Pandemie in dieser Fragestellung so abwartend verhält", so Wendtner.

Wendtner warnt vor "mentalen sowie psychischen und körperlichen Einschränkungen"

Eine Corona-Schutzimpfung für unter Zwölfjährige ist derzeit noch nicht möglich. Für ältere Kinder empfiehlt die Stiko die Impfung nur in bestimmten Fällen. Diese Position ist in den vergangenen Wochen mehrfach kritisiert worden.

Wendtner hatte als Chefarzt der München Klinik Schwabing Anfang 2020 die ersten Corona-Patienten in Deutschland behandelt. Für einen Teil der Kinder erwartet er im Fall einer Ansteckung eine schwere Erkrankung: "Man geht davon aus, dass dies bei etwa 0,5 bis einem Prozent der Infizierten der Fall sein wird. Das größere Problem allerdings ist Long-Covid. Hier geht man aktuell davon aus, dass vier bis fünf Prozent der infizierten Kinder betroffen sein könnten."

Unter Long-Covid werden die teils erheblichen Spätfolgen verstanden. Diese könnten nach Angaben des Professors so weit führen, "dass Kinder schulunfähig sind, weil sie unter so starken Konzentrationsproblemen und anderen mentalen sowie psychischen und körperlichen Einschränkungen leiden". 

Auch der Chefarzt der Bayreuther Kinderklinik hatte zuletzt vor den Corona-Langzeitfolgen gewarnt - allerdings bezog er seine Warnung darauf, dass Kinder durch die Corona-Maßnahmen gefährdet sein