Nach einer friedlichen Demonstration gegen Rassismus und Polizeigewalt in Hamburg ist es am Samstag zu Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen.

Aus einer Gruppe von Demonstranten wurde Pyrotechnik gezündet, dabei wurden nach Polizeiangaben mindestens zwei Beamte verletzt. Einige Vermummte hätten die Polizei verunglimpfende Banner entrollt, meldete die Deutsche Presse-Agentur (dpa). Darauf waren Ausdrücke wie "Bullenschweine" oder "ACAB" (steht für: All cops are bastards, Anm. d. Red.) zu lesen. Insgesamt sprach die Polizei von einer Gruppe von rund 350 Personen.

Protest in Hamburg: Vermummte bewerfen Polizei mit Gegenständen

Die Polizei wertete die Versammlung als verboten und setzte Wasserwerfer gegen die Demonstranten ein.

Auch am Abend war die Lage noch nicht unter Kontrolle. Wie die Hamburger Polizei via Twitter bekannt gab, wurden Polizisten von Demonstranten rund um den Jungernstieg mit Gegenständen beworfen - nochmals kam der Wasserwerfer - und auch Pfefferspray -  zum Einsatz. "Bei allem Verständnis für Emotionen: Angriffe auf Polizeibeamte sind nicht akzeptabel!", hieß es seitens der Polizei. 

Zuvor hatten Tausende Menschen in der Innenstadt gegen Rassismus und Polizeigewalt demonstriert. Die Polizei sprach von insgesamt 14.000 Teilnehmern bei zwei fast zeitgleichen Kundgebungen am Jungfernstieg und am Rathausmarkt - erlaubt waren wegen der Coronamaßnahmen zusammen nur gut 800. 

Gewaltausbruch auch in Berlin: Pressefotograf am Kopf verletzt

Auch in Berlin kam es nach der friedlich verlaufenen Demonstration laut Polizei zu einem Gewaltausbruch. Aus einer größeren Gruppe heraus wurden Steine und Flaschen auf Polizisten und Passanten geworfen, wie eine Sprecherin vor Ort sagte. Dabei wurde auch ein Pressefotograf von einer Flasche getroffen. Er erlitt eine Kopfplatzwunde. Es sei kein gezielter Angriff gewesen, sagte eine Polizei-Sprecherin. Es gab auch vereinzelt verletzte Polizisten und Festnahmen, wie die Polizei per Twitter mitteilte. Zu genauen Zahlen gab es zunächst keine Angaben.

In vielen Städten in Deutschland sind am Samstag Menschen auf die Straßen gegangen, um sich mit dem in den USA getöteten Afroamerikaner George Floyd zu solidarisieren, um Alltagsrassismus und Polizeigewalt anzuprangern. Im Internet waren Aufrufe zu "Silent Demos" ("Stille Demos") veröffentlicht worden. "Nein zu Rassismus" und "Black Lives Matter" ("Schwarze Leben zählen"), hieß es dort. Die Demonstranten sollten in schwarzer Kleidung zu erscheinen. Man wolle während der Demonstration still und schweigend an den Tod Floyds erinnern.

Im Gegensatz zu den Vorfällen in Hamburg blieb es meistens friedlich. In Nürnberg etwa demonstrierten 5000 Menschen störungsfrei auf der Wöhrder Wiese. In München gingen sogar 20.000 Menschen auf die Straße, in Berlin waren es 15.000. Kritik gab es am Samstag, weil mancherorts der wegen der Corona-Pandemie geltende Mindestabstand nicht eingehalten wurde.

Viele friedliche Demos gegen Rassismus - SPD-Politiker Lauterbach sieht Proteste kritisch

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach äußerte sich auf Twitter kritisch: "Ich teile den Anlass des Protests voll und ganz. Aber trotzdem sind die Abstände zu klein." Die Gefahr der Corona-Pandemie sei nicht gebannt. Rassismus müsse bekämpft werden, aber ohne vermeidbare Corona-Tote.