Am Freitag sorgte der Twitter-Account eines Redakteurs des Satiremagazins "Titanic" (@hrtgn) für Verwirrung, weil er in "hr Tagesgeschehen" umbenannt und dort behauptet wurde, CSU-Chef Horst Seehofer wolle das Bündnis mit der CDU aufkündigen. Der neue Name erweckte den Eindruck, es handele sich um einen Account des Hessischen Rundfunks - und damit quasi um die Recherche eines seriösen Mediums. Doch das war falsch.

"Titanic"-Redakteur Moritz Hürtgen hatte den Namen seines persönlichen, verifizierten Twitteraccounts "@hrtgn" umbenannt in "hr Tagesgeschehen". Am Freitag um 11.56 Uhr setzte er folgenden Tweet vom verifizierten Twitteraccount "hr Tagesgeschehen" ab: "+++ Breaking - Politbombe platzt in Hessen +++ Seehofer kündigt laut interner Bouffier-Mail Unionsbündnis mit CDU auf +++ Merkel informiert, PK gegen 15 Uhr +++ Details folgen!"

Daraufhin berichteten mehrere Medien, darunter die Nachrichtenagentur Reuters, n-tv, die "Bild"-Zeitung und "Focus online" mit Hinweis auf die Quelle "Hessischer Rundfunk", dass CSU-Chef Horst Seehofer das Unionsbündnis mit der CDU aufgekündigt habe.

Kurze Zeit später korrigierten die Medien die Falschmeldung. Auch der Hessische Rundfunk reagierte auf Twitter: "Der Hessische Rundfunk stellt aus aktuellem Anlass klar: Der Twitter-Account @hrtgn ist kein Account des Hessischen Rundfunks."

"Solch eine Falschmeldung unterstreicht die Bedeutung und Wichtigkeit von Qualitätsjournalismus", sagte HR-Kommunikationschef Hammerschmidt. Dazu gehöre, dass grundsätzlich Quellen geprüft werden beziehungsweise mit mehreren Quellen gearbeitet wird.

Unterdessen veröffentlichte Hürtgen einen Screenshot auf seinem Account, auf dem Twitter als Absender gekennzeichnet ist: Man habe eine Beschwerde wegen des Satire-Tweets erhalten, teilt Twitter darin mit. Man habe den gemeldeten Inhalt untersucht und keinen Verstoß gegen die Twitter-Regeln feststellen können. "Wir sind deswegen dazu nicht aktiv geworden." Zwischenzeitlich hat Hürtgen den Namen seinen Accounts erneut geändert in "Moritz Hürtgen / hr Tagesgeschehen".

Erst im Februar diesen Jahres hatte die "Titanic" behauptet, die "Bild"-Zeitung sei einem Fake der Satirezeitschrift aufgesessen. In dem "Bild"-Artikel "Neue Schmutzkampagne bei der SPD" hatte ein anonymer Informant über eine angebliche Kampagne gegen den SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz berichtet. Kurz darauf reklamierte "Titanic" die Geschichte für sich und behauptete, der "anonyme Informant" sei Hürtgen gewesen. Die "Bild"-Zeitung wiederum verteidigte ihren Umgang mit dem Material. Man habe die Echtheit der Informationen immer infrage gestellt und eingeordnet.
Immer häufiger werden wichtige Informationen von Politikern, Sportlern oder anderen Prominenten über soziale Netzwerke wie Twitter oder Facebook verbreitet. Mitunter sind die Äußerungen so bedeutend, dass die Medien daraus Eilmeldungen machen. Fälscher versuchen allerdings, auf diesem Wege Desinformationen zu verbreiten oder sich einen Spaß zu erlauben.