«Das Dümmste, was wir jetzt tun könnten, ist über etwas anderes als einen rot-grünen Wahlsieg zu reden», sagte der ehemalige rheinland-pfälzische Ministerpräsident. Mehrere SPD-Politiker hatten zuletzt über Koalitionsoptionen für den Fall eines Scheiterns von Rot-Grün bei der Bundestagswahl am 22. September spekuliert.

Auch der Spitzenkandidat der Grünen, Jürgen Trittin, wies Gedankenspiele über andere Konstellationen als Rot-Grün zurück. Schwarz-Grün komme für ihn ebenso wenig in Frage wie eine rot-rot-grüne Koalition, sagte er dem «Tagesspiegel am Sonntag». «Wenn zwei Koalitionspartner das Gegenteil wollen, können sie auch nicht miteinander regieren», sagte Trittin mit Blick auf die Union. Die Linkspartei ihrerseits erkläre sich «taktisch lautstark» zum Regieren bereit, knüpfe dies aber an Bedingungen, die zeigten, dass sie in Wahrheit gar nicht regieren wolle.

Union und FDP haben nach dem neuen ZDF-«Politbarometer» erstmals seit ihrem Amtsantritt 2009 zusammen eine Mehrheit - allerdings nur hauchdünn und ohne jede Sehnsucht der Deutschen nach einer Fortsetzung dieser Koalition. Die meisten Bürger (51 Prozent) sind nach der am Freitag veröffentlichten Erhebung der Forschungsgruppe Wahlen für eine große Koalition, nur 35 Prozent für Schwarz-Gelb. Die Regierungskoalition kommt der Umfrage zufolge auf 47 Prozent, die Opposition aus SPD, Grünen und Linkspartei zusammen auf 46 Prozent.

Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel sieht vier Wochen vor der Wahl weiterhin Siegchancen für seine Partei. «Die Bundestagswahl wird über die Wahlbeteiligung entschieden», sagte er der «Passauer Neuen Presse» (Samstag). «Gehen weniger als 70 Prozent zur Wahl, gewinnt Frau Merkel, gehen 75 Prozent zur Wahl, gewinnen wir», bekräftigte Gabriel.

Eine große Koalition lehnte der SPD-Chef in dem Interview nicht grundsätzlich ab: «Ich schließe prinzipiell keine Zusammenarbeit von demokratischen Parteien aus.» Ein rot-rotes Bündnis von SPD und Linken sei jedoch «Science fiction. Das ist im Kino klasse, aber nicht in der Wirklichkeit.» Man könne keine verlässliche Regierung mit einer tief gespaltenen Linkspartei bilden.

Linke-Fraktionschef Gregor Gysi versuchte unterdessen mit Blick auf künftige Bündnisoptionen die Differenzen mit der SPD beim Thema Mindestlohn zu verringern. «In Koalitionsverhandlungen würden wir mit 10 Euro reingehen und die SPD mit 8,50 Euro. Wenn wir dann einen Kompromiss machen, stimmt zumindest die Richtung», sagte er dem Bielefelder «Westfalen-Blatt» (Montag).

Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Michael Sommer, beklagte in einem Interview der «Neuen Osnabrücker Zeitung» (Samstag) eine «Entpolitisierung» der Wahlkämpfe und drängte auf neue Regeln. Die Veröffentlichung von Wahlumfragen ab einem bestimmten Zeitpunkt - zum Beispiel zwei Wochen vor der Stimmabgabe - solle gesetzlich verboten werden. Sommer kritisierte, die Verbreitung immer neuer Umfrageergebnisse führe dazu, dass nicht mehr über Parteien, Kandidaten und wichtige Themen gesprochen werde, «sondern nur noch über Parteipräferenzen und taktische Spielereien».