In den Niederlanden wurde es schon ausgesprochen. In Deutschland wird darüber diskutiert: Das Böllerverbot.

Update vom 23.11.2020, 07.45 Uhr: Silvester-Feuerwerk soll untersagt werden

Die SPD-geführten Bundesländer wollen in diesem Jahr kein Silvester-Feuerwerk zulassen. Das Zünden, der Kauf und der Verkauf von Böllern und Raketen sollen deshalb über den Jahreswechsel in Deutschland verboten werden, berichten die "Berliner Morgenpost" (Online Sonntag, Print Montag) und das Wirtschaftsmagazin "Business Insider" unter Berufung auf einen Beschlussentwurf des Vorsitzlandes der Ministerpräsidentenkonferenz. Den Vorsitz hat derzeit Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) inne.

Hier Feuerwerk anschauen 

Ziel sei es, Gruppenbildung zu vermeiden, die Einsatzkräfte wie Polizei und Feuerwehr zu entlasten und Kapazitäten des Gesundheitssystems frei zu halten, heißt es. An diesem Mittwoch, 25.11.2020, beraten Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder über das weitere Vorgehen in der Corona-Pandemie. 

In den Niederlanden wurde das Verbot bereits ausgesprochen, um das Gesundheitssystem während der Corona-Pandemie nicht noch mehr zu belasten. Doch wie stehen die Einzelhandelsketten zu diesem Thema? 

Der größte Einzelhandelskonzern Deutschlands, Lidl, gibt sich diplomatisch. "Grundsätzlich sind wir an einer einheitlichen sowie verbindlichen Lösung für die gesamte Branche interessiert", heißt es in einem Statement gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Die Diskussion über ein mögliches Verbot in der aktuellen Corona-Situation werde von der Geschäftsführung verfolgt. Aber: "Lidl orientiert sich bei der Sortimentsgestaltung auch im Feuerwerksbereich an den Wünschen seiner Kunden. Da die Nachfrage nach Feuerwerksartikeln nach wie vor sehr groß ist, wie der Jahreswechsel 2019/2020 gezeigt hat, planen wir, unseren Kunden auch in diesem Jahr eine entsprechende Auswahl anzubieten." 

Baumarkt Obi will dieses Jahr keine Böller verkaufen 

Auch die Kaufland-Filialen planen derzeit mit dem Verkauf von Feuerwerkskörpern. Eine verbindliche Aussage könne zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht getroffen werden. "Sollte es entsprechende Reglementierungen geben, werden wir diese selbstverständlich einhalten", erklärt die Pressestelle. 

Obi hat einer offiziellen Entscheidung bereits vorausgegriffen. Der Baumarkt beschloss, dass es in seinen Filialen in diesem Jahr keine Böller zu kaufen gibt, heißt es in einem Statement gegenüber Chip.de. Es könne allerdings vorkommen, dass in einigen Obi-Filialen  dennoch Feuerwerkskörper angeboten werden. Das seien dann Franchisepartner, denen dies nicht verboten werden könne. 

Die Handelsgesellschaft für Baustoffe (Hagebau) verzichtet ab dem kommenden Jahr komplett auf Feuerwerkskörper, allerdings unabhängig von einem möglichen Böllerverbot und der Corona-Situation. Die Entscheidung stehe schon länger fest, da der Absatz von Feuerwerk in den vergangenen Jahren stetig gesunken sei, erklärt Hagebau gegenüber chip.de. In diesem Jahr würde nicht einmal die Hälfte der Läden Böller verkaufen. Im kommenden Jahr sind es wenn überhaupt noch vereinzelt Filialen. 

Aldi Nord und Aldi Süd sind sich uneinig 

Aldi Nord hat sich bereits klar positioniert. "Auch in diesem Jahr werden wir unseren Kunden vom 29. bis 31. Dezember ein ausgewähltes Sortiment an unterschiedlichen Feuerwerksarrangements anbieten", heißt es in einer Mitteilung. Als Discounter richte sich das Angebot sehr stark nach den Wünschen und Bedürfnissen der Kunden. Die Vergangenheit habe gezeigt, dass das Interesse an Feuerwerkskörpern weiterhin groß sei. Der Konzern sei sich aber auch bewusst, dass es kein normales Silvesterfest geben werde. Genau aus diesem Grund möchte Aldi Nord am Verkauf von Böllern und Raketen festhalten. Mit unserem Sortiment möchten wir nicht zuletzt auch dazu beitragen, dass unsere Kundinnen und Kunden trotz der Umstände ein besonderes Silvesterfest erleben können - wenn auch in kleinem Kreise und mit ausreichend Abstand." 

Der Namensvetter im Süden fasst sich deutlich kürzer. Eine Aussage zu konkreten Angeboten für Ende Dezember möchte Aldi Süd zu diesem Zeitpunkt noch nicht treffen. "Auch wenn die Silvesterfeier in diesem Jahr eher klein ausfallen wird, rechnen wir mit einer entsprechenden Nachfrage. Wir richten unser Angebot nach den Wünschen und Bedürfnissen unserer Kunden aus", heißt es vonseiten der Pressestelle. 

Doch nicht nur bei den großen Einzelhändlern gehen die Meinungen auseinander. Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages, Helmujt Dedy, lehnt ein umfassendes Böllerverbot ab. Das lokale und regionale Infektionsgeschehen sei verschieden, ebenso die örtlichen und städtebaulichen gegebenheiten. "Vor diesem Hintergrund gibt der Deutsche Städtetag keine Empfehlung ab, Silvesterfeuerwerke zu verbieten", betonte Dedy. 

Politiker diskutieren noch über ein mögliches Böllerverbot 

Der CSU-Politiker Michael Kuffer und der Polizeigewekschafter Rainer Wendt sind da anderer Meinung. Sie plädieren dafür, Böllerei und Feuerwerk wegen der Corona-Pandemie zu verbieten. Durch Feuerwerk kämen die Menschen nämlich schneller in Partystimmung, was zu mehr Unachtsamkeit führe und somit das Risiko der Ausbreitung des Coronavirus erhöhe. Auch der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU) schließt sich der Meinung an und wünscht sich ebenfalls eine ruhige Silvesternacht. 

Hier können Sie näheres über die Debatte zum Böllerverbot nachlesen.