Die Ehrung sei ein «Riesenskandal», sagte die Grünen-Bundestagsabgeordnete Viola von Cramon der «Süddeutschen Zeitung». Der Minister für Humanressourcen stehe als Verantwortlicher der «Nationalen Roma-Strategie» maßgeblich für die Ausgrenzung dieser Minderheit in Ungarn.

Die Auszeichnung durch Bundespräsident Joachim Gauck war Balog vergangene Woche vom deutschen Botschafter in Budapest überreicht worden. «Gauck scheint hier seinen ansonsten guten Kompass in Menschenrechtsfragen verloren zu haben und sollte seine Entscheidung korrigieren», forderte die Grünen-Abgeordnete.

Das Bundespräsidialamt sagte zu der Kritik, man habe sich vor der Auszeichnung wie üblich bei mehreren Stellen gründlich erkundigt. Insbesondere eine positive Stellungnahme des deutschen Zentralrats der Sinti und Roma habe die Entscheidung beeinflusst. Der Zentralrat habe die Auszeichnung begrüßt und betont, Balog habe sich für Roma nicht nur in Ungarn, sondern in ganz Europa außerordentlich verdient gemacht.

Auch in Ungarn werden einige Elemente in der Politik Balogs positiv beurteilt, weil sie auf die Verbesserung der sozialen Lage der Roma abzielten. Balog gilt aber auch als enger Getreuer von Regierungschef Viktor Orban und unterstützt dessen Politik der Segregation (ethnische Trennung) im Schulwesen.

In einem Gerichtsprozess im April, in dem es um die Aufrechterhaltung der als illegal kritisierten ethnischen Trennung in einer Schule ging, hatte Balog als Zeuge für die Segregation Stellung genommen.