Regensburg wird zum Auftakt des Katholikentags seinem Namen gerecht. Die Domstadt empfängt die vielen Tausend Gläubigen am Mittwoch mit Dauerregen. "Das Wetter kommt von Gott. Wir Menschen können es sowieso nicht beeinflussen", sagt Chris Nwachukuu. Der 49-Jährige ist aus der nigerianischen Hauptstadt Abuja angereist und freut sich darauf, die vielen Tausend Gläubigen zu treffen. Als Missionar will er Ideen austauschen, wie er das Wort Gottes verbreiten kann.

"Der Name der Stadt Regensburg ist heute Programm", sagt Hendrik Freitag, einer der vielen Helfer des Glaubensfestes. Der 16-Jährige ist am Vortag mit 52 Mitschülern aus Magdeburg angereist, um die Eingänge zur Eröffnungsveranstaltung zu sichern und später Besucher im ökumenischen Café zu bewirten. Hendrik ist klitschnass vom Regen, da hilft auch die Regenjacke nichts. "Es kann ja jetzt nur noch besser werden", hofft er.
Generell nehmen die Besucher, die bereits seit dem frühen Morgen per Auto, Bahn oder Schiff nach Regensburg kommen, die nasskalte Begrüßung gelassen. Marlene Knüfer aus Friedrichshafen am Bodensee besucht schon seit 35 Jahren Katholikentage. Sie will die Stimmung aufsaugen und setzt ganz auf die Aufbruchstimmung, die Papst Franziskus in der Kirche verbreitet. Einen raschen Richtungswechsel erwartet Knüfer nicht. "Die katholische Kirche ist wie ein Ozeandampfer, der sich beim Wenden schwertut."

Die gut 31.000 Dauergäste auf dem fünftägigen Katholikentag suchen vor allem die Begegnung und das Gemeinschaftsgefühl, wie der Gastgeber, Regensburgs Bischof Rudolf Voderholzer, erklärt: "Welcher andere Event vermag Jugendliche und Greise, Unternehmer und Angestellte, Linke und Rechte, Konservative und Fortschrittsenthusiasten, Behinderte und Nichtbehinderte, Nerds und Ballprinzessinnen, Klassikfans und Rapper, Philippinos und Norweger, Juden und Muslime zu einer großen Feier unter einen Hut zu bringen?"

Einige Pilger kommen am Mittwoch mit dem Rad. Bernadette Kern ist mit dem Zug von Berlin nach Freiburg gefahren und von dort in einer Gruppe mit 99 Radpilgern nach Regensburg gefahren. Eine Woche war die Gruppe unterwegs. Bernadette interessiert weniger die Kirchenpolitik als vielmehr das umfangreiche kulturelle Programm. "Ich freue mich auf Workshops in Kunst und Tanz. Hier kommt es im Kleinen zu einem Miteinander, das die Gemeinschaft gut erfahrbar macht."

Bis Sonntag wollen die Gläubigen beim größten katholischen Laientreffen unter dem Motto "Mit Christus Brücken bauen" über die Zukunft ihrer Kirche diskutieren, gemeinsam beten und feiern. Viele hoffen auf neue Impulse für ihren Glauben ebenso wie für die Kirche, die Mitglieder verliert und unter Reformdruck steht, in der Papst Franziskus aber für neue Offenheit sorgt.

Auch die umstrittenen kirchlichen Themen Sexualethik, Diakonat der Frau und Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen stehen auf der Agenda. Ebenso gesellschaftliche Fragen zur sozialen Gerechtigkeit, zum Hunger in der Welt oder zur Atomenergie. Bundeskanzlerin Angela Merkel nimmt am Freitag an einer Debatte zum Thema Europa teil. Bundespräsident Joachim Gauck, ehemals Pfarrer, diskutiert am Donnerstag auf einem Podium über die Frage, wie viel Religion eine säkuläre Gesellschaft verträgt.